79 km / Anstieg: 987 m
War es gestern ein Krampf, war es heute ein Zuckerschlecken!
Als ich nach einer guten und langen Nacht (um 21.15 Uhr schon im Bett!) zum Esssaal des Hauptgebäudes gehe, brummen schon die Motoren zweier Personencars baltischer Provenienz. Diese hatten gestern Abend eine ganze Masse fernöstlicher Touris quasi „ausgeleert“, jetzt, um 07.30 Uhr, sind sie schon abfahrtsbereit. Ein Mitglied dieser Reisegruppe sitzt an einem benachbarten Tisch, neben ihm zwei Rollkoffer, den Rucksack trägt er auf seinem Rücken, über seiner Reisejacke. Er isst sein Frühstück, wobei mir spontan das Wort „reinschaufeln“ in den Sinn kommt. 10 Minuten später sehe ich die Busse Richtung Lillehammer entschwinden.
Ich mache mich irgendwann nach halb neun auf den Weg. 400 Meter Anstieg bis zum höchsten Punkt der heutigen Etappe (und meiner Reise insgesamt): 1030 m.ü.m., auf dem Dovrefjell. Gleich zu Beginn jagt mich das Navi eine überhängende Kiespiste hoch, das Hinterrad beginnt durchzudrehen. Absteigen, Fahrrad stossen – ich hasse das und denke an eine ähnliche Passage, die Rumpelgasse nahe Berchtesgaden, die wir mit der Radgruppe der TU Braunschweig auch mal aus gleichem Grund abmarschieren mussten. Oben angekommen merke ich, dass diese „Abkürzung“ nur dazu diente, mich einen halben Kilometer lang von der E 6 fernzuhalten. Na bravo!
Die ersten 300 Höhenmeter des Anstiegs sind sehr schnell und problemlos gemeistert, da die Steigungsprozente moderat sind. Es folgt bald der zweite, kleinere Aufschwung, und schon stehe ich auf dem höchsten Punkt der Etappe.
Das Panorama ist grandios, ich bin überwältigt. Eine Art Tundralandschaft mit Zwergbirken, um mich herum Gipfel von bis zu 2200 Metern Höhe, bisweilen stehende oder fliessende Gewässer rechts und links, dazu ein stahlblauer und wolkenloser Himmel. Die Berggipfel sind weiss, einzelne Gletscher sind zu erkennen, ein fast alpines Dekor. Ich fühle mich wie in der Schweiz auf 2000 oder 2500 Metern, die Vegetation und das ganze Ambiente sind nicht unähnlich. Ich stehe da und sauge die Landschaft in mich ein. Einziger Spielverderber ist mein Garmin, welches mich periodisch auf parallele Sand- und Kiespisten locken möchte. Ich ignoriere es standhaft, zumal der Verkehr echt dünn ist und ich dadurch ohne Probleme überholt werden kann.

Danach geht es runter, Oppdal zu. Ich lasse es krachen. Ungefährlich, da auch da das Gefälle moderat ist. An einer Stelle wird geteert und ein Verkehrsdienstler fragt mich, wo es hingehe. Ich sage, ich komme aus der Schweiz („oh shit!“) und gehe zum Nordkap („oh shit!“). Er wünscht mir eine gute Reise, sagt mir, ich könne schon mal an der stehenden Kolonne vorbei vorfahren. Gesagt, getan.
Ehe ich mich es versehe, knapp nach Mittag, bin ich in Oppdal. Trotz der fast 1000 Steigungsmeter habe ich einen Schnitt von 25 Kmh erreicht – ich zweifle an Garmin. Zuerst genehmige ich mir einen Capuccino mit genialem Schaum-Design in einem Smack & Behag.


Dann checke ich in meinem Hotel ein. Ich gehe mit dem Rad zu einem Velomech bei Intersport, der mir die Schaltung nachjustiert. Seit dem Noteinsatz gestern streifte die Kette vorne bei zu vielen der kleinen Gänge hinten. Da der Mech, er heisst Stale, das zu einem sehr günstigen Preis macht, gebe ich ihm ein anständiges Trinkgeld, worauf er den Link zu diesem Blog will – und natürlich auch erhält. Im Intersport kaufe ich auch noch neue Beinlinge: Meine Stay ups sind wegen nachlassenden oberen Gummizugs zu Fall downs geworden.
Auf einer Bank vor dem Hotel esse ich das „Skolebrød“ (Schulbrot), das ich im Café gekauft habe und frage mich, wie die norwegischen Kinder nach einem solchen Schulbrot zu Hause noch Hunger haben können. Nur schon die Vanilleportion ist gigantisch!

Dann profitiere ich von der idealen Lage meines Balkons und mache grosse Wäsche, die an der Sonne schnell trocknet.
Fürs Abendessen mache ich mir (noch) keine Gedanken, das Skolebrød sorgt immer noch für ein Sättigungsgefühl…




































