90 km, davon 18 auf den Fähren / Anstieg: 625 m
Wieder mal im Hotel – ich geniesse das Frühstück in vollen Zügen. Dass ich dadurch eher spät losfahre, hat weiter keine Konsequenzen: Die Etappe ist recht flach und auch nicht so lang.
Zuerst geht es über die südliche Brücke und an der Eismeerkathedrale vorbei dem Balsfjord entlang südwärts – wo ich doch ans Nordkap sollte.
Nach 15 Kilometern macht die Strasse dann aber einen guten rechten Winkel ostwärts und führt dem Ramfjord entlang Richtung Fagernes. Diese ersten Kilometer rollen unglaublich gut, wenn ich in diesem Rhythmus weiterfahre, bin ich viel zu früh in Olderdalen.
Bei Fagernes verlässt meine Route die E8 und führt zunächst mit einem Anstieg von 100 Höhenmetern in das Tal, welches Fagernes und Breivikeidet, den Abfahrtsort meiner ersten Fähre, verbindet. Schade hangen die Wolken etwas tief, die massigen Bergzüge links und rechts von mir würden dem Tal noch mehr visuellen Pep verleihen.
Nach einiger Zeit schliesse ich auf einen anderen Bikepacker auf: Marius Jørstad ist ein 40-jähriger Däne, der in letzter Zeit als Koch in Røros (ca. 150 km südöstlich von Trondheim) gearbeitet hat. Wir lernen uns fahrenderweise etwas kennen, bevor ich mich verabschiede, da ich einen anderen Rhythmus als Marius fahre. Wir werden uns ja sicher wiedersehen.
So ist es auch: Zwar steht die Fähre bei meiner Ankunft bereits abfahrtsbereit da (und ich glaube, sie noch zu verpassen), jedoch ist die Abfahrt erst eine gute halbe Stunde später. Zwischenzeitlich trifft Marius ein und wir führen unsere Gespräche weiter. Marius erzählt mir u.a., wie er einige Male komplett im Regen landete und sein Zeltzeug so nass war, dass er notgedrungen einmal in einer Hütte übernachten musste. Ich empfinde mich ein wenig als Weichei mit meinen Hotels und Airbnbs. Zur Gewissensberuhigung schiebe mein vorgerücktes Alter als Ausrede vor.

Der gleiche vorübergehende Abschied passiert in Svensby, 6 km weiter, wo die Fähre kurze Zeit später landet: Ich verabschiede mich von Marius, aber nur bis zur nächsten Fähre in Lyngseidet, wo wir uns gemäss Fahrplan wieder treffen sollten.
Die 22 km gehen im Flug vorbei, mein Bergamont-Gravel läuft auf der leicht welligen und nur mit einem etwas längeren Anstieg versehenen Strecke wie die Rakete.
Bis zur Abfahrt der Fähre ist auch Marius wieder da und unsere Diskussionen setzen sich auf der etwas längeren Strecke bis Olderdalen fort. Und ich genehmige mir einen Glacestängel der Qualität unserer „Rakete“.
In Olderdalen dann tut mir Marius ziemlich leid: Während ich bei meinem Zielort angekommen bin, muss der Arme noch 20 Kilometer nordwärts bis zu seinem Campingplatz radeln – und das bei einem steifen Gegenwind. Wir verabschieden uns nun definitiv, wobei es mich aufgrund unserer sehr unterschiedlichen Fahrweise nicht überraschen würde, ihn unterwegs wieder anzutreffen. Er sei zudem eher Spätaufsteher, meint er mit einem Lachen – und schon ist er weg. Das waren coole Gespräche mit Marius und wir haben viel gelacht. Viel Glück, mein dänischer Koch!
Ich checke 100 Meter vom Landeplatz der Fähre ein (ein älteres und etwas lieblos geführtes Airbnb – was mir allerdings wenig ausmacht), gehe im Coop einkaufen (Abendessen und Frühstück – das tiefgekühlte Bami Goreng ist von der befürchteten Qualität… gut, habe ich noch einen Wrap genommen!), und nachher laufe ich noch an die Kaikante runter ein wenig fischen. Wie auf Befehl stehen da vier andere, einheimische Kollegen, die es mir gleichtun. Die Fische haben sich verkrochen, kein Anbiss, nix. Ausser bei einem, da beisst ein kleinerer Dorsch, den er aber umgehend und wie etwas verächtlich wieder in Wasser zurückspediert. Kaum bin ich gegangen, sind die anderen auch weg. Offenbar geht in Olderdalen Fischen nur kollektiv.
Ich studiere noch den (recht erfreulichen) Wetterbericht. Für morgen werde ich auf der gleichen Strecke, auf der Marius heute kräftigen Gegenwind hatte, leichten Rückenwind haben. Das Leben ist manchmal nicht gerecht.
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