80 km, davon 8 auf Fähre / Anstieg: 487 m
Der Morgen beginnt mit einem Marsch von einigen hundert Metern zum nächsten REMA, wo ich mein Frühstück kaufe. Ich beeile mich nicht, denn um 9 Uhr stehe ich, mit gepacktem Velo an die anliegende Hauswand gelehnt, vor der Türe der „Apotek“. Ich kaufe mir ein paar Halspastillen, seit dieser Nacht tut sich da was – hoffen wir, es bleibe bescheiden.
Der heutige Radtag ist recht schnell erzählt: Hatte ich gestern die Lofoten Richtung Vesterålen verlassen und war auf Hadseløya gelandet, geht es heute über mehrere Brücken auf weitere Inseln. In Sortland, bei km 30, überquere ich den Fjord Richtung Hinnøya, wo ich weiter nordwärts fahre. Ganz am Ende der Strecke komme ich dann, wieder über eine imposante, gebogene Brücke nach Risøyhamn, welches bereits auf Andøya liegt.
Die meiste Zeit werde ich auch heute gepusht von einem Rückenwind, so dass ich für die 80 Kilometer Strecke inklusive fast 500 Steigungsmetern nur gut 3 Stunden brauche, also einen satten 26-er-Schnitt hinlege. Und dies, obwohl ich zur Schonung des Halses nur verdünnt Gas gegeben habe. Soll mir recht sein.

An meinem Zielort checke ich im Risøyhamn Kafe ein. Ein schmuckes, wenn auch unspektakuläres Haus mit einem Übernachtungsangebot mit gemeinsamen Räumen (Dusche/WC, Küche), sauber und gut eingerichtet – ich fühle mich sogleich wohl. Nach Dusche/Power-Nap diskutiere ich mit dem Inhaber des Hauses, Anders Paulsen. Dieser führt sein Haus quasi hobbymässig, er ist nicht darauf angewiesen, dass es sofort rentiert. Sein berufliches Hauptbein besteht aus einer Unternehmung in Bodø, die im Bereich Haustechnik (Wasserdichtheit von Mauern) tätig ist. Er ist ein Kind des Nordens, liebt also seine Gegend, verbringt aber 5-6 Monate im Winter mit Frau und Kind in Thailand – dank IT arbeitsmässig kein Problem, wie er sagt.

Gegen 16 Uhr gehe ich in den nahen Joker einkaufen – das Frühstück von morgen plus Energy-Drink für aufs Velo. Gottseidank habe ich cash dabei, denn offenbar funktioniert das Kreditkarten-System nicht. Einheimische lassen ihre Sachen anschreiben, ich zahle bar. Ich kehre durch die diesige Landschaft zum Kafe zurück, wo sich eben zwei Süddeutsche aus der Gegend Reutlingen ihrerseits auf den Einkauf begeben. Man wird sich abends sicher in der Gemeinschaftsküche sehen, wenngleich Anders mir ein grosses Sandwich für das Abendessen zubereiten wird.

Ich bereite mich moralisch schon mal auf den folgenden Tag vor: Ohne Regen wird es nicht abgehen. Da es aber rund um die Uhr hell ist, werde ich den besten Zeit-Slot wählen (zwischen 7 und 10 Uhr, da regnet es offenbar am wenigsten und in 3 Stunden sind die 60 km auch ohne Rückenwind machbar). Gut, dass Andenes mehrere Restaurants hat und die Überfahrt nach Gryllefjord fast eindreiviertel Stunden dauern wird: Zeit, trocken zu werden.

Mit Befriedigung stelle ich um 18 Uhr fest, dass mein Halsweh jedenfalls nicht stärker geworden ist. Offenbar und hoffentlich also nur ein Streifschuss.
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