Tag 25: Frya – Dombås

100 km / Anstieg: 1123 m

Ein ereignisreicher Tag!

Nach einem Frühstück solo verabschiede ich mich vom Besitzer der Lodge und radle los. Es ist schon fast grimmig kalt (am Morgen lag die Temperatur bei sage und schreibe 3 Grad!). 

C‘est parti!

Bald schon schliesse ich zu Antonia („Toni“) aus Kaufbeuren/Bayern auf. Auf meine Frage hin gibt sie das gleiche Reiseziel wie ich an: Das Nordkap. Sie ist ausgebildete Ärztin (innere Medizin) ebenfalls solo unterwegs. Allerdings nächtigt sie immer im Zelt, und ich ziehe meinen inneren Hut. Naja, ältere Herren wie ich brauchen ein richtiges Bett zur guten Erholung mehr als die Jugend. Bald verabschiede ich mich von Toni, unsere Reisetempi sind zu unterschiedlich.

Antonia aus Bayern, mit gutem Tritt flott unterwegs – ebenfalls zum Nordkap. Viel Glück!

Die folgenden Kilometer erweisen sich als penibel: Zwar ist das Terrain nirgends steil, aber der teilweise heftige und böige Wind erschwert das Vorankommen erheblich. Irgendwo nach Vinstra lege ich den 2000-sten Kilometer meiner Nordreise zurück, merke dies aber nicht mal, habe keine Gesamtstrecke auf meinem Garmin installiert. In Otta, Kilometer 50, hat sich der Lagan vom träge daherkommenden Fluss in ein ein flott daherkommendes Gewässer verwandelt. Auch die Umgebung wirkt schon wesentlich alpiner als z.B. in Lillehammer. Ich kehre ein und genehmige mir einen Kaffee.

In Otta (km 50) hat sich der Lågen in ein reissendes Gewässer verwandelt.

Auf der folgenden Hochebene hat es mehrere „faux plats montants“. Zusammen mit dem nun noch stärkeren Wind strapazieren sie die Beine und das Gemüt gleichermassen. Dazu kommen die insgesamt 10 Anstiege, die Garmin aufgelistet hat und von denen die letzten 6 sehr spät kommen. Und, wie wenn das noch nicht genug wäre, streikt meine Gangschaltung. Ich kann vorne nicht mehr auf die grosse Scheibe wechseln. Nicht beruhigend, auch wenn das Terrain meist die kleine Scheibe erfordert. 

Die letzten Kilometer der Tour verlaufen parallel zur E 6 auf einer Strasse weiter im Hang oben und sind mit mehreren giftigen Anstiegen gespickt. Auf der anderen Seite des Tales sehe ich die Hügelzüge (oder, besser gesagt, das Fjell), die vielfach noch mit Schnee bedeckt sind und kaum 1200 Meter hoch sind.

Auf den letzten 20 Kilometern – und es ist immer noch kalt.

Um 14.15 Uhr komme ich in Dombås an. Noch vor der ersehnten Dusche erkundige ich mich nach einem Radgeschäft – auf Google ist keines angegeben. Mittlerweile ist nämlich der linke Schalthebel richtiggehend blockiert – schlecht für die morgige Tour. Die Rezeptionistin nennt mir einen Sportshop mit Radverleih, der auch Reparaturen mache. Ich begebe mich sofort dahin und treffe einen Mann, der solche Arbeiten, allerdings ohne Ausbildung, macht. Er erkennt sehr schnell, dass von den beiden Schrauben, die die gesamte vordere Umwerf-Vorrichtung am Rahmen fixieren, die obere quasi rausfällt und die untere megalocker sitzt. Kein Wunder, reagiert das Teil nicht mehr. Er zieht die Schrauben wieder satt an – und alles läuft perfekt. Ich hätte den Mann umarmen können. Ein Trinkgeld lehnt er kategorisch ab, ich solle eine gute Google-Rezension schreiben (was ich dann, wieder im Hotel, subito auch mache, und wie!).

Danach folgen die Routinen: Dusche, Zeugs auspacken, Bidons waschen, DJI und Garmin laden etc etc. Ich gehe nochmals ins Einkaufszentrum runter, kaufe mir Iso-Getränke und Bananen und ein paar Riegel für morgen.

Sehr erleichtert und zufrieden mit dem Tagespesum setze ich mich hin, um den Blog zu schreiben. Bis heute hatte ich bei Pannen zur richtigen Zeit immer die richtigen Leute um mich, gottseidank. Hoffen wir, es bleibe so (oder es gebe keine Pannen mehr…).

Norwegisch für Radler: Das da heisst „geschlossen“, denn die Art Coop pronto dahinter war es.😏

Kommentare

2 Antworten zu „Tag 25: Frya – Dombås”.

  1. Avatar von
    Anonymous

    Hallo Isi, Sportsfreund, heute Abend warte ich vergeblich auf den sechsten Mann.;-)

    Finde dein Abenteuer mega, weiterhin viel Freude und Spass, viel Kraft in den Beinen und vielleicht auch ein paar Grad Celsius dazu.

    Pannen kann es immer geben aber in der Regel gilt „das Glück des tüchtigen“.

    A domani carissimo

    Francesco

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    1. Avatar von isihuber

      Sorry Franco, hatte gestern ein wenig schwere Beine – gebe aber mein Come back nach der Rückkehr!😅

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