119 km / Anstieg: 1554 m
„It’s been a hard day’s night. And I’ve been pedaling like a dog.“ (The Beatles, leicht abgeändert)
Vor der heutigen Etappe hatte ich ein wenig Bammel. Nicht vor den gut 115 Kilometern Distanz. Die 1‘600 angesagten Höhenmeter (am Ende der Tour gibt mein Garmin deren 1554 an) entsprechen doch immerhn dem Sustenpass von Innertkirchen her. Sie sind mehr als die Kombination Furka-Grimsel von Realp aus. Und das ganze nicht mit dem Rennrad, sondern mit einem 12 Kg schweren Gravelbike und gut 15 Kg Gepäck und einem Oldie obendrauf…
Ergo mache ich früh auf den Weg, von wegen „früher Vogel“: gut 7 Uhr fahre ich los. Schön piano, denn gerade am Anfang steht mit gut 400 Höhenmetern der höchste zusammenhängende Anstieg an. Aus dem piano wird schnell forte, nicht wattmässig, sondern bezüglich der Lautstärke meiner Flüche. Mein Garmin UND mein iPhone bzw. die darauf abgespeicherte Tour führen mich schon bald in die Pampa. Da ist weit und breit kein Weg geschweige denn eine Strasse zu sehen. Ich mache nicht lange Federlesens und kehre die 50 Höhenmeter zurück auf die E 134, die dann später, von der virtuellen Komoot-Tour auch wieder benutzt wird. Ist also letztlich „Hans wie Heiri“.
Das Wetter ist gut, Sonne mit Wolken, aber immer noch ziemlich kühl. Heute kann ich die wundervolle Landschaft Südnorwegens so richtig geniessen. Die 1400 Km zwischen Blauen und Norddänemark sind vegetationsmässig wesentlich unpektakulärer als die gut 160 km zwischen Hirtshals und Südnorwegen. Da ist plötzlich eine andere Welt.
Bald erreiche ich den höchsten Punkt der Tour und lasse es danach so richtig laufen, bis ich nach gut 30 Kilometern nach Kongsberg komme. Endlich wird das Terrain etwas weniger stotzig, dem Fiskumvannet entlang rollt es so richtig schön in der Sonne. Das hält mich nicht davon ab, anzuhalten und mit einem Ehepaar mittleren Alters, das gerade auf dem Hundespaziergang ist, einen angeregten Schwatz abzuhalten.
Nach gut 70 Km erreiche ich Åmot, ein kleiner, an der Drammenselva gelegener Ort. Die Drammenselva ergiesst sich aus dem Tyrifjord her kommend in den Oslofjord bzw. den Skagerrak. Die Wegführung ist etwas speziell (bzw. ich hab mir das vorher nicht angeschaut), so dass ich das Gefühl habe, auf der falschen Seite des Tyrifjords zu landen. „Alles gut“ meint da eine junge Norwegerin auf meine entsprechende Frage, ich bin schon 6 km vor Vikersund. Noch bevor ich dorteinfahre, sehe bzw. höre ich die verschiedenen Schanzen rund um den Monsterbakken. Offenbar ist dort gerade ein Skisprung-Wettkampf im Gange. Bis letztes Jahr hatte Vikersund den Weltrekord im Skifliegen inne. Jetzt ist ja wieder Planica Nummer 1.

In Vikersund nehme ich eine Cola und esse meinen Zmittag: ein Stück Keks mit Erdbeeren.


Danach radle ich dem Tyrifjord entlang und sehe schräg vor mir die Insel Utøya. Dumpf erinnere ich mich an den Sommer 2011. Damals fuhren wir mit unseren Freunden – den Honeggers – durch diese Gegend und logierten in Vikersund. Und das zwei oder drei Tage bevor das unsägliche Drama auf Utøya geschah.

Bald erreiche ich die Region Hønefoss. Mein Hotel habe ich sinnigerweise in Klekken gewählt, das gut 100 Höhenmeter oberhalb von Hønefoss liegt. Dieser letzte Aufstieg ist wie die Kirsche auf der Torte und Schlusspunkt einer grossartigen Tour. Während des Aufstiegs sehe ich bei einer Landkirche eine Hochzeitsgesellschaft und schaue dem Treiben ein wenig zu. Auf dem Berg, pardon Hügel oben bin ich aber schneller als die Festgemeinde: Ich checke kurz vor derselben ein, d.h.um 14 Uhr 30. Ich weiss noch nicht, ob ich heute Abend die Braut zum Tanze auffordern will, meine Trainerhosen passen nicht so recht zum Rest.
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