100 km / Anstieg: 710 m (+ 163 km Fähre Hirtshals Larvik)
Alea iacta est! Der Rubikon, äh der Skagerrak ist berschritten bzw. auf der Fähre bequem überquert worden. Ich bin in Norwegen! Läuft alles gut, habe ich somit auch das Land erreicht, in dem mein Tourenziel liegt.
Doch der Reihe nach:
Ich starte morgens früh, kurz nach 7, denn ich will die Fähre in Hirtshas ja nicht verpassen. Dank Rückenwind komme ich gut voran und bin zweieinhalb Stunden vor dem Check-in vor Ort. Lieber ein Mü zu früh als zu spät, gell!
Ich hole mir am Kiosk einen Kaffee, lege mich an die Sonne und mache meine Art der „heartful meditation“: die schwarze Radkleidung absorbiert die Sonnenstrahlen ideal und wärmt mich. Ich höre vereinzelte Möwen kreischen, manchmal ein undeutliches Autogeräusch, die plaudernden Stimmen der alten Seebären, die unweit von mir mit der Crew eines Fischerbootes die Welt und vor allem das Meer erklären. Es ist traumhaft, beinahe döse ich vor lauter Wohlbefinden ein.

Dann aber checke ich ein und lerne zwei junge, sympathische Deutsche kennen. Mia und Raphael aus Schleswig. Er ist IT-Programmentwickler, sie Optikerin. Wir verstehen und auf Anhieb sehr gut. Die beiden machen eine Tour über Südnorwegen/Schweden mit u.a. Göteborg als Reiseziel. Anders als ich zelten sie jede Nacht, was meinen grossen Respekt abverlangt.

Bei der Ankunft in Larvik trennen sich unsere Wege. Ulli, ein IT-Systemexperte aus Kölle, und ich haben die Pole-Position und verlassen die Fähre als erste.
Die Fahrt nach Porsgrunn ist kurz (gut 32 km), enthält aber die ersten längeren Steigungen. Zudem narrt mich mein Garmin erneut: Die Tour nach Porsgrunn, die ich mittels iPad auf Komoot abgespeichert hatte, wurde nicht synchronisiert. Ich nehme das Handy zum Navigieren, wobei auch dies mangels geeigneter Halterung seine Tücken hat. Bei der Ankunft in Porsgrunn bin ich dennoch zufrieden: Kein einziger Regentropfen ist heute gefallen.
Im Haus in Porsgrunn erwartet mich bereits Kasper, ein Pole, der via Trelleborg mit seinem Töff, eine uralte Yamaha Super Ténéré, heute hierher gefahren ist. Ein wilder, aber sehr lustiger junger Mann mit langen Haaren und einem markanten Bocksbart. Er hat bereits die hauseigene Sauna im Garten angeworfen und benutzt sie auch eine ziemliche Weile. Unser Haus, in welchem zudem noch ein Paar aus Amerika mit fernöstlichen Wurzeln haust, ist gross und gediegen – ein echtes Landhaus mit einem gehobenen Standing. À propos Amerikaner: Beim Wort „Trump“ kriegen sie nahezu Anfälle und schimpfen wie die Spatzen. Ergo lasse ich dieses Reizwort.

Da die nächste Beiz 800 Meter entfernt ist, esse ich das gerade hier Vorhandene: Den Rest meines Vollkornbrotes mit Salami aus Aalborg, eine asiatische Fertigsuppe mit Teigwaren, Fruchtmüsli mit Hafermilch, einen Riegel aus meiner eisernen Reserve und einen Granny Smith. Ein Durcheinander, aber was soll’s.
Morgen steht eine nicht sehr lange, aber eher steile Tour nach Notodden an. Und dieses Mal werden wohl sämtliche Stossgebete nichts nützen: Ich dürfte (fast) von A-Z verschifft werden. Da ich in Notodden bereits gebucht habe, kann ich nicht ausweichen. Die erste richtige Prüfung steht also bevor.
Hinterlasse einen Kommentar