119 km / Anstieg: 419 m
Quelle journée!
Der Wetterbericht mit gewittrigen Niederschlägen, Starkböen und anderen Gruseligkeiten lässt mich am Morgen etwas daran zweifeln, ob ich die knapp 120 Km nach Neumünster wohl schaffen werde. „Come on!“ sage ich mir, das geniale, im Roten Tore noch vom Personal servierte Frühstück ist ja schon mal eine Basis. In der Tat: Dieses Hotel kennt kein Morgenbuffet, man kann sich alles aber ad libitum bestellen und das Personal bringt alles stante pede.
Die ersten gut 30 Km verlaufen unspektakulär. In Winsen wird gerade der Jahrmarkt aufgebaut – hoffentlich bleiben die angesagten Windböen nicht nur für mich aus… Dann einige Kilometer später, als ich dem Elbdamm entlangradle, sehe ich es: etwa 500 Meter vor mir, ein Unwetter ersten Grades. Es gelingt mir gerade noch, mich unter bzw. ins Lee eines grossen, Tuja-ähnlichen Strauches zu flüchten. Der Platzregen ist gigantisch, überall überquillen Dachrinnen, eine kleine Sintflut. Dann, 10 Minuten später, ist der Spuk vorbei.
Alles gut! denke ich, als ich wenig später, so um den Kilometer 40 herum, die Brücke über die Süderelbe überquere. Plötzlich ein schwammiges Hinterrad – der klassische Fall: Platten! Ich demontiere alle Säcke vom Rad, stelle dieses auf den Kopf, nehme das Hinterrad raus und repariere es mit einem neuen Schlauch.
Da ich mit der kleinen Pumpe die gewünschten 4.5 Bar nicht hinkriege, suche ich einen Radladen. Beim zweiten Anlauf finde ich die Zweiradperle, die ihrem Namen alle Ehre macht. Der Chef gibt mir eine gute Pumpe und obendrauf einen neuen Schlauch – gratis! Lasse mich nicht lumpen und gebe ein grosszügiges Trinkgeld – für die Equipe. Ja, solche Momente bleiben unvergesslich.

Der Hamburger Velohändler: hilfsbereit und grosszügig, und sogar mit ein, zwei Worten Schwiizerdütsch . Tut gut!
In der Stadt halte ich bei einem kleinen Strassenrestaurant. Der Inhaber ist Syrer, wie der Name seines Hotels schnell verrät („Le Damas“). Auch hier: zwei geniale Falafel mit Humus drauf – gratis. Ich bezahle meine Pommes und die Fritz-Kola mit einem Extra-Trinkgeld. So viel Herzlichkeit, von einem Mann, der kaum Deutsch kann und der mich nicht kennt – und das mitten in der Grossstadt!
Der Rest besteht aus ca. 70 Kilometer Pedalieren nord-nordostwärts. Die Velowege in Hamburg bringen mich um den Verstand: Entweder die Hamburger fahren nie über 7 Kmh, oder ihre Gesässe sind schmerzunempfindlich. „Holperwege“wäre noch ein Euphemisus.
Danach auf der Fläche: bessere Velowege. Der Gegenwind gibt nochmals alles, hindert mich aber nicht daran, zufrieden und trocken Neumünster zu erreichen. Der Check-in in der Jugi ist eine Sketch-Nummer: Der Mann am Tresen ist ein Nordlicht besonderer Prägung, irgendetwas zwischen Nerd und Scherzkeks. Wir amüsieren uns prächtig.
Etwas, das ich erst später bemerke: Irgendwo bei Ellerbek habe ich meine ersten 1000 Km geradelt. Ende des Tages sind es total 1051 Km, und das in 9 Etappen. Das geht bisher fixer als gedacht.
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