159 km / Anstieg: 1’463 m
(Ein Jux von Garmin, allein die Strecke Honningsvåg – Nordkap und zurück veranschlagt Komoot mit – realistischen! – 1‘300 hm, ergo wäre das Total eher mit 2’000 Höhenmeter+ zu dotieren)
Der letzte Tag war der härteste.
Am Morgen verabschiede ich mich von Matthias (man sieht sich abends im Hotel in Honningsvåg) und bringe den Schlüssel zur Rezeption. Dort sehe ich – welch freudige Überraschung! – Florian aus Brüssel. Er und sein Kumpel Guillaume, der schon im Car sitzt, sind auf dem Heimweg vom Kap. Tout de bon, mes deux jeunes Belges, je vous aimais bien!

Die Fahrt nach Honningsvåg (97 km) gleicht derjenigen von gestern: anfangs windstill, liegt der Olderfjord spiegelglatt zu meiner Rechten.

Und ich lasse es krachen, unbeabsichtigt, aber ich habe mittlerweile einen Megatritt. Bis zum Tunnel, der die Insel Magerøya mit dem Festland verbindet, habe ich einen Schnitt von knapp 26 kmh. Das ändert sich mit dem furchterregenden Nordkaptunnel: knapp 7 km lang, steigt er bis auf über 200 m unter den Meeresspiegel ab. Diese Differenz ist dann auf der anderen Seite des Tunnels mit einem steilen Anstieg wieder zu kompensieren. Für die Radfahrer gibt es keine Spur, bei jedem Auto von hinten bibbere ich und hoffe, man habe mich gesehen. Jedenfalls bin ich um meinen Nabendynamo froh, der das notwenige Rücklicht meines Gravels hell leuchten lässt. Dennoch: So verkrampft bin ich selten Velo gefahren!
Nach weniger als 4 Stunden bin ich in Honningsvåg, kaufe mir im REMA zu Essen und zu Trinken, und führe den Weg zum Kap fort. Und dieser hat es in sich. Nach über 100 Aufwärm-Kilometern sozusagen eine Runde Heavy metal. Die gut 700 Höhenmeter kommen durch zwei markante, bis zu 10% steile Aufstiege und einige, zusätzliche Auf und Abs zusammen. Aber ich schaffe es. Die Einfahrt aufs Gipfelplateau mit dem grossen Globus ist ein kleines Spiessrutenlaufen. Zu viele Autos, unklarer Zugang für Velos. Ist ja egal, ich geniesse den Moment in vollen Zügen, realisiere aber gar nicht so richtig, dass ich angekommen bin. Ein paar Pics, gemacht von einem Bikepacker aus Hannover, dann zuerst die Familie informieren. Deren Glückwünsche tun gut! Schliesslich nochmals den Ort in sich aufsaugen, dann ein dänischer Plunder und ein Coca in der Beiz, und zurück geht es.


Wenn der Aufstieg hart war, ist dir Rückfahrt mit nochmals gut 500 Steigungsmetern sauhart. Ich spüre die über 130 km und die vielen, vielen Höhenmeter. Zudem bläst mir jetzt der Wind entgegen, nicht stark, aber auch ein leichter Gegenwind nervt.
Schliesslich komme ich nach 7h30 netto Fahrzeit in Honningsvåg an. Die Kirsche auf dem Kuchen bildet mein Hotel „View“ (ich hatte es fast geahnt). Für seinen Namen liegt das Ding auf einer Anhöhe, und zum ersten Mal heute muss ich, mit gut 158 km in den Beinen, einen Anstieg von klar über 10% meistern. Kurz zwar, aber es hätte ihn definitiv nicht gebraucht.
Im Hotel erwartet mich ein feines Znacht-Buffet, wo ich einen Teil der heute verbrannten Kalorien wieder zu mir nehme. In der Rezeption frage ich nach, ob mein Kollege von gestern, Matthias, da sei. Der komme erst morgen, wird mir beschieden. Da muss ich etwas falsch verstanden haben…
Dann ab, ins Zimmer. Morgen fährt mein Hurtigruten-Schiff bereits um 6.00 Uhr, das will ich nicht verpassen. Ich zahle das Ticket online und lege mich dann aufs Bett, um meinen letzten Blog-Eintrag zu verfassen.
Dass da eben ein besonderes Erlebnis zu Ende geht, ist mir nicht richtig bewusst. Ok, es waren 41 Etappen und 13 Ruhetage, aber was das bedeutet, verstehe ich (noch) nicht. Eine Zeit, die mir unglaublich dichte und von vielen Highlights und genialen Begegnungen geprägte Momente brachte. Aber auch Augenblicke der Fragezeichen, der (Wetter-)Sorgen und sogar der Einsamkeit. Was das für mein Seelenleben heisst, realisiere ich nicht. Zu sehr wird das Erlebte von der Vorfreude überdeckt, zuerst meine Frau Rose-Marie und dann den Rest der Familie wieder in die Arme schliessen zu können. Und Boomer, unser Hund, hat mir auch gefehlt…
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