Tag 53: Alta – Olderfjord

110 km / Anstieg: 902 m

Welch ein Tag!

Ich verlasse das Airbnb in Alta nur ungern. Es war mit Abstand das beste und praktischste aller Airbnbs auf meiner nunmehr doch schon langen Reise.

Ausblick auf den Tag.

Schnell erreiche ich den Stadtrand von Alta und dann geht es recht schnell in zwei Steigungen, die mich auf knapp 400 m Meereshöhe bringen. Ich komme gut hoch, die Ruhetage haben meinen Beinen jedenfalls nicht geschadet. 

Auf dem Plateau oben angekommen, staune ich über den ungewohnten Anblick, der sich mir bietet: gab es nach dem ersten Anstieg noch einzelne Zwergbirken und Büsche beidseits der Strasse, herrscht ganz oben eine Art Tundralandschaft. Kahl, karg, nur mit Wiesland bedeckt, Schneeresten allenthalben und der Blick wird durch nichts mehr begrenzt. Da der Wind noch recht schwach ist und eh von hinten bläst, wäre eine Aufnahme mit meiner Drohne angesagt. Gesagt getan – jedoch kriege ich diese Aufnahmen nicht gebacken. Der Akku der Drohne und des Panels hat sich in der Reisezeit halbiert, und da die Aufnahme nicht auf Anhieb klappt, ziehe ich es vor, das Teil wieder landen zu lassen und unbeschädigt zu versorgen. Kein Beinbruch.

Auf dem Hochplateau zwischen Alta und Olderfjord.

Danach geht es bei stärker werdendem Rückenwind in fast unanständigem Tempo über die Hochebene, wobei die Strasse Richtung Skaidi tendenziell eher fällt. In Skaidi angekommen, gönne ich mir einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Nach Skaidi soll es gemäss Wegbeschreibung „recht steil“ auf ein zweites Plateau hochgehen. Meine Beine empfinden das anders und ich bin eins, zwei oben. Danach dasselbe Spiel: Ich brettere – unterstützt von mässigem Rückenwind – durch die Gegend und wäre froh, hier und dort mal eine Rentierherde anzutreffen. Aber nein, nicht heute. Nicht ein einziges Tier zeigt sich auf den zahlreichen Kilometern bis Olderfjord.

Die letzten Kilometer vor Olderfjord sind dann klar fallend, so dass es noch schneller vorwärtsgeht. Ich komme nach weniger als viereinhalb Stunden an meinem Etappenziel an. Garmin zeigt mir bei über 900 Metern Anstieg einen Schnitt von 25 km/h an – unglaublich.

Da ich noch zu früh fürs Einchecken bin, gehe ich mit Matthias ins Restaurant. Matthias kommt aus Lenzburg, ist gute zwei Monate älter als ich und fährt auch Richtung Nordkap. Er hat ebenfalls den gesamten Weg per Velo gemacht. Allerdings hat er nicht die Fähre in Hirtshals genommen, sondern jene von Puttgarden/Fehmarn nach Rødby. Danach ist er via Helsingborg (Fähre) durch Schweden gereist (Örebro – Sundsvall – Umeå – Luleå) und schliesslich via Finnland (Rovaniemi) hierher hochgefahren. Ein langer Weg, noch etwa 500 km länger als meiner! Seiner Beschreibung nach war seine Route oftmals ein wenig langweilig (Wälder ohne Ende), dafür wurde er durch ganz Schweden hindurch von den Mücken in Ruhe gelassen. Auch pannenmässig ist es ihm gut gegangen. Hoffen wir, dass dies für uns beide auch auf unserer letzten Etappe ans Nordkap so bleibt!

Mit Matthias im Restaurant. Getrennte Wege, das gleiche Ziel: das Nordkap!

Ich habe mit Matthias auf 18 Uhr zum Abendessen im Restaurant abgemacht. Gut, wieder mal ein wenig Schwiizerdütsch mit jemandem zu reden, der überdies in den letzten Monaten einen ähnlichen Erfahrungshintergrund wie ich angesammelt hat. Mal sehen, was er mir noch so alles zu berichten hat. 

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