Der zweite Ruhetag hier in Alta verläuft bestens: spätes Aufstehen und Frühstücken (gegen bald 9 Uhr), dann Wäsche meiner Kleider Teil 2 und ab ins Zentrum. Kleiner Einkauf (u.a. Zahnpasta) und weiter geht es zum Flughafen. Auf dem Weg dorthin treffe ich Malcolm, ein 71-jähriger Neuseeländer, der in den letzten Wochen von Lissabon (!) quer durch Europa (Frankreich mit u.a. Strasbourg), Deutschland, Polen, Baltikum, Finnland) gut 6’000 km ans Nordkap geradelt ist. Ich komme mir mit meinen dereinst 4‘000 km und meinem im Vergleich jugendlichen Alter fast als Waisenknabe vor. Jetzt fliegt Malcolm zurück nach Neuseeland, wo er nördlich von Auckland wohnt. Ein ungemein positiver und freundlicher Mann, mit dem ich mich bestens, aber leider zu kurz, unterhalte.

Am Flughafen suche ich eigentlich Infos zum Rücktransport meines Rades in die Schweiz, sehe aber bald, dass da nix zu machen ist. Ausser ein, zwei Damen beim Check-in scheint kein Personal für Transportfragen anwesend zu sein, mein Rad muss wohl über Tromsö und mittels Transportdienst in die Schweiz geschickt werden.
Ich fahre zurück ins Zentrum, kaufe mir eine Art Wrap und nehme danach den Bus zum Alta Museum. Dieses ist zur Hauptsache ein Freilichtmuseum, welches jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Felsritzungen zeigt. 1985 wurde das Museum ins Inventar des Unesco-Welkulturerbes aufgenommen. Bevor ich mich auf den Rundgang mache, nehme ich einen Capuccino und ein Stück Erdbeerkuchen im Museums-Café – beide so gut, wie sie prima vista auch aussehen!

Der Rundgang ist eine Wucht! Was da in den letzten 100 Jahren vor den Toren Altas an Felsritzungen gefunden wurde – vielfach auch von spielenden Kindern! – ist sensationell. Ein Teil der Ritzungen wurde koloriert und ist daher sehr gut erkennbar. Andere Ritzungen sind naturbelassen und es bedarf eines aufmerksamen Auges, um alle Details zu sehen. Der Kurzführer in Form einer Broschüre hilft da enorm. Eingeritzt sind hauptsächlich Tiere (Rentiere, Elche, Bären, Heilbutts, auf einem Fels sogar zwei Hasen) aber auch Schiffe, Personen mit Waffen oder rituellen Instrumenten, Jagdszenen etc. Man erkennt sogar, dass schon in diesen alten Zeiten (die Ritzungen sind 2‘000-7‘000 Jahre alt!) die Rentiere mittels Zäunen zusammengetrieben wurden. Viele der Darstellungen sind nicht abschliessend interpretiert, vieles deutet aber darauf hin, dass die Bilder einen rituellen Gehalt bzw. eine mystische Funktion haben bzw. hatten.




In der Halbzeit des Rundgangs steht eine Gruppe von Samizelten, wo eine Archäologie-Studentin aus Südnorwegen Getränke und einfache Speisen anbietet. Auch kann man dort Pfeilbogenschiessen üben etc. Ich nehme einen Kaffee vom Lagerfeuer und stelle fest, dass der übliche Wallander-Kaffee besser ist… Ist egal, das Ambiente am Alta-Fjord ist schlicht genial und das besser gewordene Wetter und die wärmeren Temperaturen, zusammen mit dem sanften Rauschen der Meereswellen, bewirken ein Gefühl der Zufriedenheit und Freude.

Danach kehre ich heim, merke, dass ich vergessen hatte abzuschliessen, aber es war glücklicherweise niemand da. Ich bereite so langsam meine Abreise von morgen früh vor und werde heute Abend zum Abschied aus dieser speziellen Stadt im Sentrum noch eine Pizza essen gehen. Schon lange keine mehr gehabt.
Wenn der Wetterbericht stimmt und ich keine Panne habe, wird das eine Art Happening morgen: trocken, höhere Temperaturen und – noch wichtiger – kein Gegenwind!
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