102 km / Anstieg: 1295 m
Ich bin früh dran, das Wetter ist gut, das motiviert. Einziger Sorgenpunkt: Mein Garmin scheint echt dahin zu sein, es kann nicht mehr geladen werden. Für heute sollte aber die Batterie noch reichen, das ganze ist eh nicht dramatisch: es gibt quasi nur eine Strasse, und auf der sollte man sich nicht verirren…
Wie gestern prophezeit, herrscht auf der ganzen Strecke nordwärts bis Djupvik sozusagen kein Wind (die armen Kerle, die da gestern noch im strammen Gegenwind zum Zeltplatz strampeln mussten!). Der Lyngenfjord liegt wie ein grosser Spiegel zu meiner Linken, die Berggipfel, die er spiegelt,ergeben ein surreal schönes Bild.
Bald fahre ich an Djupvik vorbei. Es ist noch vor 8 Uhr, Marius ist sicher noch am Schlafen. Nach Djupvik geht’s nordostwärts zum Rotsund mit dem gleichnamigen Dorf. Für einen Kaffee ist es noch zu früh, weiter geht’s. Und zwar zu einem ersten, zackigen Anstieg, der teilweise ziemlich steil ist. Auf der anderen Seite runter. So oder so läuft es heute richtig gut, sehe auf dem Tacho einen Schnitt von 23 km/h, eigentlich zuviel.
Bald erreiche ich Oksfjordhamn, bereits der Kilometer 74! Ich halte an, es ist mittlerweile richtig angenehm warm geworden, Zeit die Armlinge abzumontieren. Dies umso mehr, als das heutige Haupthindernis demnächst auf dem Menu steht: Der gut 400 m hohe Pass zwischen Oksfjordhamn und Sørstraumen. Die Strasse steigt nahezu stetig an, keine einzige Kehre bringt etwas Erholung. Um sagen zu können, dass es ja gar nicht so streng war, fahre ich nicht im kleinsten, sondern zweitkleinsten Gang… Es geht ohne Würgerei, aber oben bin ich dann schon froh, dass es wieder runtergeht. Auf den Wiesen neben der Passhöhe liegen noch Schneefelder, einzelne Rentiergruppen sind zu sehen.
Der Blick auf den 400 Meter tiefer liegenden Kvaenangen-Fjord ist gigantisch.

Das Auge verliert sich in den zahllosen Schneegipfeln, die den Fjord umsäumen und in der Ferne, rund um andere Fjorde, stehen. Ich bin dankbar, diesen Tag so erleben zu dürfen, nach den zahlreichen Schlechtwettertagen der letzten Wochen ein Genuss!
Nach dem Gipfelplateau geht des runter nach Sørstraumen. Ich bin aufmerksam, gerade solche Abfahrten können gefährlich sein.
Wenig später und nach ein, zwei kleinen Gegensteigungen sehe ich vor mir die rote Fahne des Matkroken von Sørstraumen. Ich stelle mein Rad hin und erstehe mir den zweiten norwegischen Pølser auf dieser Tour. Er schmeckt mir hervorragend, insbesondere das pampige Brot passt bestens zu dieser Art Essen.
Wenig später checke ich etwas abseits der Strasse bei meinem Airbnb ein. Es liegt wunderschön am flachen Ufer eines Nebenfjords. Die Gastgeberin, gerade auf dem Sprung ins Dorf, offeriert mir noch Waffeln – was ich sehr schätze. Nach Dusche / Powernap schwinge ich mich erneut aufs Rad und fahre mit leerem Rucksack die gut 3 Kilometer zum Matkroken zurück, um meine Esswaren für heute Abend und morgen zu kaufen. Kaum komme ich dort an, rufen mir meine beiden Belgier, Florian und Guillaume von der Etappe nach Sommarøy, zu – wir begrüssen uns herzlich.

Und wenig später fährt auch mein Koch von gestern, der Däne Marius, auf seinem Bike ein. Ja, auf so einer Tour sieht man sich immer wieder mal!
Für den Abend kaufe ich wieder so ein Survival-Kit in Form eines tiefgekühlten Eintopfs (Pytt i panna). Mal sehen. Zudem ändere ich meinen Plan, direkt bis ans Nordkap durchzufahren: Anfang nächster Woche wird es recht kalt, so dass ich zwei Tage in Alta bleibe (und mein Garmin ersetze und mich schlau mache, wie ich eventuell von Alta aus mein Rad heimtransportieren könnte). Ein günstiges Airbnb habe ich schnell gefunden.
Ich merke, dass die 1300 Höhenmeter und die gut 100 km Distanz etwas Substanz gekostet haben. Da morgen ein ähnliches Menu (aber 20 Kilometer mehr Distanz) auf mich wartet, werde ich heute Abend wohl früh in die Heja gehen.

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