Tag 47: Sommarøy – Tromsø

58 km / Anstieg: 368 m Anstieg (+ 13 km Extrarunde…)

Der Tag beginnt in der Nacht. Nachdem ich gestern Abend nicht im Strumpf gewesen war und bereits um 19.30 (!) Uhr ins Bett gegangen war, wache ich bereits um 22 Uhr wieder auf. Danach kann ich zwar wieder schlafen, aber unruhig, huste oft und merke bei jedem Aufwachen, dass ich schweissgebadet bin. Dabei fühle ich mich nicht fiebrig. Schliesslich stehe ich um 7 Uhr auf, gut erholt, aber das Kopfkissen ist immer noch feucht vom vielen Schwitzen. Das kleine Halsweh von vorgestern und die laufende Nase von gestern haben also ein kleines Nachspiel auf der Lunge. Jänu. Eigentlich klassisch bei mir.

Ich frühstücke, packe meine Sachen und fahre relativ spät, gegen 9 Uhr, los. Die Strasse entlang der Fjorde ist gut, der Verkehr stärker als auf Senja, aber alles im grünen Bereich. Ich fahre zur Schonung der Lunge absichtlich locker und langsam.

Abfahrt von Sommarøy – es bleiben knapp 60 km bis Tromsø.

Nach halbem Weg der einzige nennenswerte Anstieg und Abfahrt hinein in die Zivilisation. Als ob man den Schalter gedreht hätte, zeigt sich nun ein Bild voller menschlicher Präsenz: Häuser an den Fjorden, Radstreifen, gepflegte Gärten etc. Bald überquere ich die nördliche Brücke, die auf die Insel führt, auf der Tromsø gebaut wurde.

Impressionen von unterwegs: immer den Fjorden entlang…
Und plötzlich ein Piratenschiff mitten in einer Bucht…😳

Ich komme am Flughafen vorbei und nutze die Gelegenheit, mich schlau zu machen bezüglich Velo-Transport in die Schweiz. Dieser wird tricky sein, da ich ja in Norwegen bleiben und mit Rose-Marie bei Arendal zwei Wochen Ferien machen werde. Die Angestellte beim Check-in meint, das laufe nicht über den Flughafen und gibt mir zwei Adressen. Ich bedanke mich und nehme mit meinem Rad die letzte Hürde des Tages: den Aufstieg auf den Hügel, der Tromsø City vom Flughafen trennt.  Es sind keine 3 Stunden um, da stehe ich in meinem Hotel.

Vor dem Hotel – kann da nirgends so richtig landen…

Die junge Frau in der Rezeption hat Probleme mit der IT. Der Bildschirm sei eingefroren, der Check-in noch nicht möglich. Ich nehme in der Hotelhalle erstmal einen Kaffee und einen Brownie und entschliesse mich dann, den Morgen für den Blog zusammenzufassen, statt einfach nur dumm herumzuwarten. Jetzt bin ich es, der IT-Probleme hat: Der Touchscreen meines iPads reagiert nicht mehr auf Berührungen. Die Lösungsvorschläge (hard reset), die ich mit dem Handy im Netz finde, funktionieren auch nicht. Ergo: Ein Apple-Laden muss her. Den gibt es und er liegt – logischerweise! – auf der anderen Seite des Hügels, nahe beim Flughafen. Ich schwinge mich aufs Rad und pedaliere die 6.5 km und die 60-80 Höhenmeter zum Eplehuset, das sich mitten in einem riesigen Einkaufszentrum im zweiten Stock befindet. Der zuständige Mitarbeiter nimmt sich meiner an – und repariert das Teil im Handumdrehen. Er macht genau dasselbe wie ich (kurz Läuter-, und dann kurz Leiser-Taste drücken und dann die obere Taste drücken und nicht loslassen). Unterschied: Ich hatte wohl 3-4 Sekunden zu früh losgelassen (weil ich solchen Insruktionen im Netz eh wenig traue🙈). Ich könnte den Mann umarmen, bedanke mich inständig und fahre zurück – über den Hügel. Und sage mir: diese Extrakilometer und -höhenmeter hast du dir mit deiner Ungeduld ehr und redlich verdient.

Am späteren Nachmittag mache ich noch einen Besuch in der bekannten Eismeerkathedrale, die ennet der Südbrücke Tromsøs liegt. 

Aussenansicht der Eismeer-Kathedrale.

Eigentlich ist sie ja keine Kathedrale (die wirkliche Kathedrale liegt in der Stadt, neben meinem Hotel und ist eine eher unscheinbare Holzkirche), trotzdem denken alle bei der „Kathedrale von Tromsø“ an diesen markanten Bau in Dreiecksform am Ende der Brücke. Gebaut in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts, imponiert die Kirche mit dem riesigen dreieckigen Frontfenster mit farbigen Scheiben, die Elemente der Auferstehung thematisieren.

Blick auf die Altar-Front der Kathedrale.

 Ich bleibe einen guten Moment und kehre dann die knapp 2 Kilometer ins Hotel zurück – in Flip-Flops, habe ja neben den Radschuhen nichts anderes dabei.

Der Blick von der Eismeerkathedrale nordwärts zeigt Tromsø und dahinter tief verschneite Hügel – und es ist kühl!

Auf dem Rückweg entdecke ich das (bereits geschlossene) Polarmuseum, das ich auf meinem Heimweg unbedingt besuchen muss. Die Unternehmungen von Nansen und Amundsen haben mich schon immer fasziniert. 

Das Erreichen des Südpols durch Amundsen und das Drama rund um seine Konkurrenten (Scott, Shakleton) haben mich schon immer fasziniert.

Ich kaufe mir noch die Getränke für morgen plus 1-2 Enegieriegel ein und freue mich aufs Abendessen, wahrscheinlich beim Italiener. 

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