Tag 46: Gryllefjord/Torsken – Sommarøy

102 km, davon 13 auf Fähre / Anstieg: 1024 m

Am Vorabend, nach Redaktiosschluss, hatte ich beim Abendessen im Hotel eine interessante Begegnung mit zwei jungen Ökonom/in. Sie hiess Florence (hatte natürlich allein wegen des Namens unserer ältesten Tochter einen Bonus), er Alex. Sie aus Rechthalten (bei „Güfersch“/FR), er aus Luxembourg. Beide aktuell beim Bund tätig, sie im BA für Statistik, er beim Seco. Die beiden machen Ferien auf Senja und loben die tollen Ausflugs- und Wandermöglichkeiten. Gerade deshalb gehen sie davon aus, dass sich diese Insel früher oder später touristisch massiv entwickeln wird. Natürlich reden wir auch über Ökonomisches, sie als Profis, ich als Dilettant. Die beiden sind ungemein offen, undogmatisch und freundlich. Ein Genuss, mit solchen Jungen zu diskutieren. Ich hoffe, sie können ihre wettermässig nicht immer optimalen Ferien gut und mit vielen Erinnerungen abschliessen.

Ein flottes Paar, das sich im Ökonomie-Studium in Fribourg kennengelernt hat: Florence und Alex.

Nach dem zackigen Regen von gestern Abend liegt der Torskenfjord am heutigen Morgen um 8 Uhr im Sonnenschein. Gleich zu Beginn geht es wieder mal steil aufwärts, ich gehe das äusserst gemütlich an.

Am Morgen liegt der Torskenfjord noch im Sonnenschein. Lieber so abreisen als im Regen…
Nach dem ersten „Stutz“: Ausblick auf den Tag.

Die Umrundung von Senja bis nach Botnhamn (Fähre) umfasst ca. 80 Kilometer. Ich bewege mich meist der Nordküste entlang, welche mehrere grossartige Fjorde aufweist. Zwischendrin gibt es auch physische Herausforderungen: Ein Anstieg auf knapp 300 m Höhe mit 8-9 Steigungsprozenten, geradeaus den Berg hinauf und ohne Kehren, bringt mich ins Schnaufen. Entschädigt werde ich anschliessend durch eine rasante Abfahrt durch einen Tunnel, an dessen Ende sich der Blick über den phänomenalen Botsvatnet erstreckt. Felswände noch und noch, eine karge Vegetation und hier und dort eine verlorene Siedlung. Ich frage mich mehrere Male, wie man sich derart abseits vom Schuss, in einer sehr unwirtlichen Gegend niederlassen kann. Gerade bei Schlechtwetter und in der mehrmonatigen Winterdunkelheit möchte ich nicht in dieser Einsamkeit wohnen.

Rauschende Abfahrt zum Gryllefjord. Gestern war ich hier noch hochgekrochen…

Durch mehrere Tunnels (einer ist ungeteert) geht es in verschiedene Fjorde, einer imposanter als der andere. Ich persönlich finde den Ersfjord den eindrücklichsten.

Eindrücke von der Nordseite der Insel Senja (1).
(2)
(3), hier der Ersfjord, mein Liebling
Am Ersfjord

Kurz nach dem letzten Aufstieg beim Mefjord stosse ich auf zwei junge Belgier aus Brüssel. Der eine (Florian) hat u.a. an der EPFL in Lausanne und Sion studiert und kennt dementsprechend die Schweizer Pässe. Der andere, Guillaume, ist ebenso drahtig dünn wie Florian. Der erste, den ich antreffe, der wie ich ein Bergamont-Gravel fährt.  Die beiden scheinen sich ausgezeichnet zu ergänzen. Ich bin begeistert von der Gelassen- und Lockerheit, mit welchen diese beiden Jungen ihren Weg gehen. Wir stellen fest, dass wir unterwegs, aber zu anderen Zeiten und an anderen Orten, dieselben Leute gekreuzt haben. Z.B. den Johannes aus Melk/AUT (Mein Tag 34), oder den Doris aus Châlon-sur-Saône (gestern). Auf den letzten Kilometern vor Botnhavn herrscht dann plötzlich wieder eine andere, angenehmere Vegetation mit saftigen Wiesen und Sträuchern.  Seltsam, aber nicht unangenehm. In Botnhavn gehen wir in den Joker und die beiden kaufen ihren Food für die beiden kommenden Mahlzeiten. Danach nehmen wir die Fähre und anschliessend verabschieden wir uns an der Verzweigung, wo ich Richtung Sommarøy und sie Richtung Tromsø weiterfahren. Bon vent, Florian et Guillaume!

Unterwegs mit Florian und Guillaume aus Bruxelles – wir haben es sichtlich lustig!
Guillaume (l.) und Florian. Eine ansteckende Jugend. Cool und doch geerdet. Die muss man einfach gernhaben!
Zu dritt…

Bei meiner Ankunft in Sommarøy ist meine Gastgeberin abwesend (ein Arzttermin, der sich hinzieht). Dank ihren Vorkehrungen kann ich ohne weitere Hilfe sehr schnell einchecken, fahre ins Dorf, wo ich bei einem Imbiss was Solides esse und danach im Dorfladen mein Frühstück und Getränke kaufe. Während es bei der Fahrt ins Dorf noch tröpfelt, lugt am Abend wieder die Sonne durch einzelne Wolkenlücken.    

Im Anflug auf Sommarøy: über eine Brücke, wie sonst?!

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