Tag 43: Kabelvåg – Stokmarknes

62 km, davon 8 auf Fähre / Anstieg: 380 m

Der erste Blick durchs Fenster um 06.30 Uhr ist wenig erbaulich: Es schüttet. Der Blick auf die fast unfehlbare norwegische Wetter-App senkt den Puls aber fix: In gut einer Stunde soll es sich ausgeregnet haben – was dann auch stimmt.

Die ersten Kilometer – die Strassen sind am Abtrocknen.

Nach einem kleinen Garmin-Intermezzo (habe eine Route falsch abgespeichert), geht es los, auf die 38 Kilometer nach Fiskebøl, wo die Fähre nach Melbu geht. Die Fahrzeiten habe ich mir nur habbatzig gemerkt, die Etappe ist eh kurz. Also rechne ich mit der Fähre gegen Mittag. 

Diese erste Wegstrecke ist unglaublich abwechslungsreich, man fährt bisweilen zwischen gigantischen Bergwänden hindurch. Ein Wunder, dass dies so wenig Steigungsmeter bewirkt. Daneben bläst mich ein strammer Rückenwind nordwärts. Plötzlich merke ich, dass ich eventuell eine Fähre früher schaffen könnte, und siehe da, dank eines Schnitts von über 25 km/h schaffe ich es noch gerade so auf den 10.30 Uhr-Kahn.

Auf der Fähre – der Himmel ist immer noch ziemlich wolkenverhangen.
Auf der Fahrt nach Melbu.

In Melbu geht es in einem grossen Bogen dem Fjord entlang nach Stokmarknes. Einen Moment lange habe ich Seit- Gegenwind und merke, dass mir das nicht so recht passt. Wie schnell man sich verwöhnen lässt! Mit der Zeit dreht aber die Strasse wieder nordwärts, ich habe das Gefühl, ich fliege. Einige Kilometer vor Stockmarknes führt mich das Navi auf eine gute Nebenstrasse, die letztlich an der Kirche von Hadsel vorbeiführt.

Da ich nicht schon vor Mittag bei meinem Airbnb sein möchte, setze ich mich auf eine Bank hinter der Kirche und warte, denn drinnen ist gerade gut hörbar ein Gottesdienst im Gange. Anfangs fröstle ich noch ein wenig, danach kommt aber immer mehr die wärmende Sonne durch. Nach etwa 40 Minuten ist die Messe gelesen, es war eine Tauffeier. Erwachsene und Kinder kommen in trachtenartigen Kleidern oder im Anzug aus der offenbar sehr feierlichen Veranstaltung. Anschliessend gehe ich (mit noch zwei, drei anderen Touristen) in die Kirche. Diese ist, wie in Nordnorwegen üblich, vollständig aus Holz gebaut, hat einen achteckigen Grundriss und eine Rundempore, die sich wie eine Galerie in 3-4 Metern Höhe um das ganze Kirchenschiff erstreckt. Die Sitzanordnung ist wieder in einer Art U-Form, was dem Wort „Gemeinschaft“ doch deutlich mehr entspricht als die gängige Bankanordnung unserer mitteleuropäischen Kirchen.

Die Kirche in Hadsel. Der achteckige Grundriss sowie der Altar aus präreformatorischen Zeiten prägen diese sehr eigenwillige Kirche.

Ich spreche mit dem Pastor, Jørund Øverby Håkdal. Sein faltenloses, jugendliches Gesicht lässt mich auf ein Alter von gut 30 Jahren schliessen. Ich staune nicht schlecht, als er mir mitteilt, dass er schon über 40 sei, verheiratet mit drei Kindern. Er kommt, und da müssen wir beide lachen, aus der Gegend von Arendal, wo ich nach der  Nordkap-Tour mit Rose-Marie Ferien machen werde. Wieder einer dieser Zufälle. Jørund lebt hier, weil seine Frau von hier kommt (das kenne ich von irgendwoher).

Der aus der Gegend von Arendal stammende Pastor Jørund Øverby Håkedal mit seiner Frau und zwei seiner drei Kinder.

Er erklärt mir, dass der Altar der Kirche von Hadsel aus präreformatorischer Zeit, so zwischen dem 15. und 16 Jahrhundert, stamme. Frappant für mich das grosse Schiff, das mitten im Kirchenraum hängt, analog zum Dom und der Liebfrauenkirche in Aalborg. Insgesamt die wohl eigenwilligste Kirchenkonstruktion die ich bisher gesehen habe, aber vielleicht auch die für mich stimmigste. Schliesslich lädt mich Jørund zu einem Wallander-Kaffee ein, der hinten im Kirchenschiff in einem Thermoskrug bereitsteht.

Bis zu meinem Airbnb ist es dann nur noch ein Katzensprung. Ingunn, die Inhaberin, ist da und übergibt mir die Schlüssel, nicht ohne mir noch die wichtigsten Lokalitäten Storkmarkens zu erklären.

Am Nachmittag gehe ich ins Städtchen runter, esse ein sehr gutes Fleisch-Cashew Sweet and Sour im Thai-Take away. Danach noch ein Rundgang, ein Hotelklotz erster Güte direkt am Fjord, daneben ein Pub (wo ich einen Wallander-Kaffee trinke). Auf dem Rückweg ins Airbnb fällt mir auf, dass das Zentrum sehr viele Leerstände in den Immobilien bzw. Geschäftslokalitäten hat. So ein wenig kriselt es hier, meine ich zu spüren. Auf dem Bootskai fischen zwei Buben unter Anleitung ihres Vaters und ziehen einen um den anderen (kleinen) Fisch an Land. Der Vater übernimmt das Töten der Tiere, was irgendwie Sinn macht.

In der Schule von Stokmarknes hören sie wohl die richtige Musik …😜

Ich kehre in mein (tolles, weil geräumiges, sauberes und gut ausgerüstetes) Airbnb zurück – jetzt bei schönstem Sonnenschein. Es wartet eine Runde Lektüre. Ich bin guter Dinge: Die Wetterentwicklung ist positiv, die angekündigten, grauenhaften Bedingungen sollten nächste Woche nicht eintreten. Das wäre ein Segen!

Über diese Brücke geht es morgen weiter nordwärts.

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