Tag 41: Ruhetag 2 in Stamsund

Ich stehe nach 7.30 Uhr auf und frühstücke gemütlich. Die Gruppe Franzosen macht sich auf ihren heutigen Hike irgendwo in der Gegend. Ich genehmige mir eine Dusche (wohltuend!) und wasche meine Unterwäsche. Vor dem Hostel fällt mir ein Pflanzbeet auf: Die dort wachsenden Erdbeeren sind gerade im Blütenstadium, bis zur Reife wird es wohl Mitte-Ende Juli…

In der Schweiz bald vorbei und gegessen, sind hier die Erdbeeren erst am Blühen. Ob sie je reif werden?

Wenig später nehme ich den Bus nach Leknes, das ca. 14 km entfernt liegt. Dort tauche ich in so etwas wie Wochenendstimmung ein: Die Hauptstrasse ist belebt, viele Leute tummeln sich in Cafés oder in den Einkaufshäusern, es wird geplaudert und getratscht – herrlich! Ich gehe schnurstracks in den vorgängig herausgegoogelten Sportladen. Dort kaufe ich einen Pilker, der das gleiche Kaliber hat wie jener, den ich gestern versenkt habe. Ich werde ihn dem Chef des Hostels als Wiedergutmachung geben. Ebenso nehme ich ein Paar gefütterter und wasserdichter Fingerhandschuhe – ein Muss angesichts der bald zu erwartenden Wetterverhältnisse. Dank der laufenden Aktionswoche sind die Handschuhe äusserst preiswert.

Dann zieht es mich in ein Café, das mir die Verkäuferin des Sportladens empfohlen hat. Ein Cappuccino (dessen Schaum-Design ganz vorne im Klassement landen wird) und ein Stück Creamcheese-Torte werden auf einem Art Barhocker mit Aussicht auf die Storgata genüsslich verzehrt. Plötzlich steht die Verkäuferin des Ladens neben mir: Vor lauter herumalbern hatten wir schlicht vergessen, dass die Handschuhe auch zu bezahlen sind… Ich kehre zum Shop zurück, begleiche die Rechnung und kaufe gerade auch noch ein paar Vorfächer fürs Fischen. Ich lasse am Bankomaten noch ein wenig norwegische Kronen raus – sicher ist sicher! – und dann fährt auch schon bald der Bus.

Chancen aufs Stockerl: der heutige Cappuccino!
…. und dazu ein Stück Kuchen sowie den Ausblick auf die Storgata.

Mit im Bus ist ein Junger Mann mit langen dunkelblonden, zu einem Rossschwanz zusammengebundenen Haaren. Er war mir schon auf der Fähre nach Moskenes vor zwei Tagen aufgefallen. Ich bin nicht mal überrascht, als er mir sagt, er sei deutscher Student aus Bremen. Mehr überrascht mich sein Studienfach: Jura! Rein äusserlich passt er nicht so in die Abteilung der recht oft sehr proper und akkurat daherkommenden Jura-Studis. So war’s jedenfalls damals an der Uni in Fribourg. Der junge Mann schreibt seine Masterarbeit, in welcher – kein Wunder – die Frage der KI in juristischen Kontexten (Vertragsabschlüsse, wenn ich mich richtig entsinne) erörtert wird. Auf halbem Weg steigt er aus und setzt seinen Weg zu Fuss fort.

Im Hostel angekommen, gebe ich dem Leiter, Matias Carlsen, eine Art John Lennon – Verschnitt (er nimmt dieses Attribut mit Genugtuung entgegen), den Ersatzpilker, den ich in Leknes gekauft habe. Matias führt das Hostel (www.stamsundhostel.com) seit anderthalb Jahren. Vorher war er in Oslo beim norwegischen Fernsehen tätig. Sein Ressort: Outdoor- und Adventure-Sportarten. Passte!

Matias Carlsen – Leiter des Hostel-Betriebs. Sehr präsent, umgänglich und flexibel. So wünscht man sich das!

Kurz nach 15 Uhr ist der Wind nahezu eingeschlafen – ideal für einen kleinen Fischer-Törn. Ich komme rudernderweisegut voran und bin bald auf den – so Matias‘ Gästebuch – fischträchtigen Zonen. Es herrscht hier draussen eine herrliche Stimmung, eine Möwe hat sich prophylaktisch für eventuelles Futter schon mal auf einer nahen Boje niedergelassen. Daraus wird nichts: da beisst aber auch gar nichts, im Gegenteil! Mein Mega-Pilker verhakt sich wie am Vortag und ich ziehe letztlich so stark, dass der dicke Silch reisst. Jänu!

Auf ruhiger See vor dem kleinen Hafen beim Hostel in Stamsund

Zurück an Land lerne ich Laurent Woeffray kennen. Laurent ist Fribourger und hat soeben als Vertreter von Travail Suisse an einer Ministerkonferenz der EFTA in Tromsø teilgenommen. Die Lofoten drängten sich dabei fast auf: Laurent und ich sind der Meinung, dass diese kein Nice to have sondern ein To do sind. Wir tauschen uns u.a. über soziale Fragen aus. Wir beide waren z.B. überrascht über den Ausgang der Abstimmung zur 13. AHV, etwas, was wir aufgrund des Giesskannenprinzips eigentlich beide ablehnen. Aber offenbar wurde die Breite des Malaise bzw. die finanziellen Realitäten vieler Pensionierter von der Politik unterschätzt. – Laurent fährt morgen weiter – lustigerweise nach Lødingen, wo wir damals mit unseren Freunden, den Honeggers, Ferien gemacht hatten.

Laurent Woeffray, der unlängst Vertreter von Travail Suisse an einer Konferenz in Tromsø war und jetzt die Lofoten „anhängt“. Wir waren uns inhaltlich in mehreren Sozialfragen nicht uneins…

Ab morgen geht es weiter: Heute Abend muss ich noch die entsprechenden Einkäufe im nahen Joker machen: Getränke und einige Nahrungsmittel. 

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