77 km, plus 93 km Fähre Bodø-Moskenes / Anstieg: 1169 m
➔ Plus 448 Meter Anstieg ohne Rad auf den 484 m hohen Reinebringen (entspricht genau 1978 Stufen)
Meine erste Tat heute besteht darin, dass ich zu Bett gehe, so um 0 Uhr 15 herum. Zuvor habe ich noch der Sonne zugeschaut, wie sie hinter dem Gjura, einem gut 700 m hohen, markanten Berg auf der vorgelagerten Insel Landegode durchgewandert ist. Tiefer zum Horizont wird sie diese Nacht nicht mehr kommen. Ich ziehe die Nachvorhänge für eine eher unruhige, kurze Nacht.

Um 6 Uhr bin ich der erste Hotelgast im Frühstücksraum und fahre um 6.40 Uhr auf die Fähre nach Moskenes an die Südspitze der Lofoten. Ein Angestellter weist mich ein und fragt nach dem Ticket. Ich brabble etwas vor mich hin, ob ich das Ticket hier kaufen könne. Der Angestellte meint vielsagend, für Fussgänger sei es gratis – ich steige ab, gebe meine Personalien an und gut ist. Gratis, auch hier.
Gut dreieinhalb Stunden später, nach einer Fahrt durch einen mittelmässig bewegten Vestfjord (manchmal knallt der Bug massig in die Wellen und versprüht eine Gischt-Fontäne), fahre ich die 5 km nach Å, dem südlichsten Ort des Archipels. Dort esse ich (gottseidank!) ein Sandwich, fahre zurück, an Moskenes vorbei, nordostwärts. Einzelne Tunnels umfahre ich auf den alten Teerstrassen, die vor dem Bau der Tunnels dem Autoverkehr dienten. Gute, weil sichere Sache.
Bald komme ich an den Reinebringen, einen 484 m hohen Hügel (also fast auf der Höhe unseres Hauses in Blauen). Dieser kann über insgesamt 1978 Stufen erklommen werden. Ein wegbautechnisches Wunder, denn diese Stufen bestehen aus glatten Natursteinen und ich stelle mir die Arbeit vor, die da dahinterstecken muss.
Ich erklimme den Hügel zügig, überhole viele Leute, die den Gipfel aufgrund ihres Ermüdungszustandes wohl nie erreichen werden. Es herrscht bisweilen starker Gegenverkehr, der Hügel ist eine echte Attraktion. Oben angekommen, verstehe ich: Die Aussicht ist schlicht atemberaubend, einmalig! Der Blick auf die Lofoten, insbesondere auf das Dorf Reine mit den zahlreichen schmalen Verbindungsbrücken, ist umwerfend. Ich bleibe ein paar Minuten, bis es mich in meinen Veloklamotten zu frösteln beginnt. Ich lege den Abstieg ebenfalls zügig zurück. Nach einer Stunde stehe ich wieder unten – auf der Infotafel schreiben sie etwas von 2-4 Stunden für diesen Ausflug…

Hart wird’s erst nach dem Berg: Auf dem Weg nordwärts bläst mir z.T. ein heftiger Wind entgegen. Ein paar Mal muss ich echt fighten. Ich komme nach mühsam abgerungenen Kilometern nach Ramberg. Die dortige Copacabana mit dem weissen Sand, die wir damals mit den Honeggers ebenfalls besucht hatten, liegt abweisend und kalt vor mir. Ich sehe ein Paar aus Deutschland, das ich schon auf der Fähre, vor mehreren Tagen, sowie vorgestern am Saltstraumen gesehen hatte. Kurzer Austausch und weiter geht’s.
Nach Ramberg beschert mir ein markanter Richtungswechsel der Strasse ein paar Kilometer mit Rückenwind. Vorbei an grünen Fjords geht es nach Leknes. Dabei geht es einmal durch einen schlecht beleuchteten Tunnel mit Velo-Trottoir von 80 cm Breite – ich sehe mich vor.
Schliesslich gelange ich nach einem finalen Anstieg inklusive anschliessender Abfahrt zu meinem Gästehaus in Stamsund. Zum Abendessen gibt es leckeren Fisch und Beilagen. Abends werde ich mit der Besitzerin noch per Auto nach Leknes fahren und mir meine Esswaren für morgen einkaufen.
Danach werde ich – anders als gestern – nicht lange Federlesens machen: ab ins Bett! Der Wind hat mich weichgeklopft.
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