Tag 38: Ruhetag in Bodø


Ingen nevnt – ingen glemt

Keiner erwähnt – keiner vergessen 

Ein ungewohnt spätes Frühstück (08.00 Uhr) und dann geht’s ab in die Stadt.

2024 war Bodø Kulturhauptstadt Europas. Friede ist heute das Motto.

Als Erstes besuche ich die Domkirche von Bodø, angezogen vom markanten, den mittelalterlichen Stabkirchen nachempfundenen Kirchturm. Unter demselben ein Gedenkstein für die Kriegsopfer während des zweiten Weltkrieges. Keiner erwähnt – keiner vergessen, und ich denke an all die Kriege die derzeit toben und wünsche mir alle Aggressoren dieser Welt in die ewige Verdammnis.

Den mittelalterlichen Stabkirchen nachempfunden: Der Turm des Doms von Bodø.

Der Dom selber, ein äusserst eigenwilliger, bei der Erstellung auch umstrittener Bau, gefällt bei der Innenansicht. Anstelle eines Kreuzgangs eine Dokumentation wichtiger Ereignisse, v.a. natürlich des Bombenangriffs der deutschen Nazis im Jahre 1940, nach welchem vom Dom nichts, aber auch gar nichts übrigblieb. Eine imposante Orgel (90 Register!), mächtige und farbenfrohe Kirchenscheiben hinter dem Altar. Ein Moment der Einkehr und des Nachdenkens.

Rückkehr ins Hotel, Aufladen des Auslösers des Selfie-Sticks, einen Moment lang dösen bei Wish you were here*. Auf Komoot plane ich meinen Weiterweg über die Lofoten nach Tromsø. Der bisherige Schnitt von 100 km/Tag wird gestutzt auf weniger als 80. Ebenso möchte ich, sollte es das Wetter erlauben, den einen oder anderen zusätzlichen Ruhetag einbauen.

Danach zweiter Aufbruch in die Stadt. Besuche das Nordnorwegische Museum, unweit des Hotels gelegen. Tolle Bilder, Installationen und Videos. Themen: Die nordische Identität, der Umgang mit den Lebensressourcen, der Missbrauch der Samischen Kultur bis hin zum Raub von Kulturobjekten unter dem Pseudo-Vorwand der wissenschaftlichen Erforschung derselben, etc. Insbesondere das Video Breath hat eine besondere, philosophische Tiefe und gefällt mir ausgezeichnet. 

Auszug aus dem Video Breath (Nordnorwegisches Museum): Der Baum, der zu (unserer) Lunge mutiert.

Daneben die Zeichnung eines Heilbutts mit lauter Herzchen drauf, der Titel: Fish you were here. Ich schmunzle und denke an meine Döse-Einheit von vor einer Stunde.

Karl-Gustav Gjertsen – Fish you were here. Für Insider ein Schmunzler.

Suche erfolglos einen Barbershop, der mir meine Pieksborsten entfernt. Dann Besuch des Outlets, wo ich – Preisalarm! – eine tolle, wärmere und wasserdichtere Regenjacke kaufe (15‘000 Wassersäulen-Punkte, damit kommst du trocken bis ganz unten in den Marianengraben!) sowie eine recht solide Teleskop-Angelrute für auf die Lofoten, beides zusammen für 78 Franken. So viel kostet – salopp gesagt – sonst ein anständiger Burger mit Cola. Danach vervollständige ich den Happy-Afternoon mit dem Auffinden eines Barbershops, der mich nach anfänglichem Zaudern meines Wildwuchses entledigt. Welche Wohltat! Sogar einen Klacks Aftershave gibt es, ein Luxus!

„Mein“ Barbershop – hat gutgetan!

Da ich morgen in eine etwas seltsame Unterkunft ziehe, wo ich noch nicht so recht weiss, wie das laufen wird, und ich zudem noch einen Abstecher nach Å, der südlichsten Siedlung auf den Lofoten, machen will, ergibt sich ein Tagespensum von 76 Rad-km. Ich plane, die Fähre von 7 Uhr zu nehmen, so dass ich um 10.30 in Moskenes ankommen werde. Sollte die Unterkunft echt schlecht sein, bliebe mir dann immer noch genügend Zeit, zum Rettungsanker Leknes zurückkehren. Wenn die Herberge aber gut sein sollte, bleibe ich gleich 3-4 Tage dort – dafür habe ich ja jetzt meine Angelrute. Sicherheitshaber werde ich heute Abend neben den obligaten Energy-Drinks für morgen auch noch ein wenig Food einkaufen, man weiss ja nie. Bis Freitag soll das Wetter auf den Lofoten gut und z.T. bis 20 Grad warm bleiben. Für die anschliessende Wetter-Tristesse habe ich ja jetzt meine neue Regenjacke. Beruhigend.

Drei Errungenschaften von heute auf einem Pic: Meine neue Vikafjell Regenjacke (Katalogpreis >100 Fr.), meine neue Teleskop-Angelrute und mein frisch rasiertes Gesicht. Ist doch was!

 Pink Floyd – who else?

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