Tag 37: Ørnes – Bodø

119 km / Anstieg: 1095 m  

Als am Morgen die Sonne nur milchig scheint, bin ich fast ein wenig enttäuscht, nachdem am Vortag Sonne pur herrschte. Aber wir sind in Norwegen, da sollte man sich nicht zu schnell an die Sonne gewöhnen. Immerhin, und das ist ein echter Aufsteller: Es ist 15 Grad warm und ich kann seit Menschengedenken wieder mal ohne Arm- und Beinlinge fahren.

Was steht an? – Kleiner Ausblick auf den kommenden Tag.

Ich decke mich im Extra von Ørnes noch mit Getränken ein, und dann geht es los. Die ersten Kilometer sind ultraangenehm: flach und wenig Wind. Bei Kilometer 12 dreht dann die allgemeine Fahrtrichtung scharf gegen Nordosten bzw. Norden, und schon macht sich der Wind je nach Topografie unangenehm bemerkbar. Bald wird auch des Terrain coupierter, es geht nicht mehr eben der Küste entlang, sondern z.T. zwischen Hügel- oder Bergrücken hindurch.

Unterwegs…

Auf gut halbem Weg, am Fusse einer längeren Steigung, mache ich an einer Tankstelle halt, fülle einen Trinkbidon nach und kippe zudem eine Flasche Fanta. Die Steigung danach fährt sich dann locker, wie wenn der Zucker bereits in den Muskeln angekommen wäre. Nach der Abfahrt, in einer Gegensteigung, steht am linken Strassenrand ein Reisemobil, das ich kenne. Davor winkt mir der Helmut zu, ein ehemaliger Polizist aus Regensburg, den ich an den Vortagen schon auf den Fähren zweimal gesehen hatte. Das Wiedersehen macht Freude! Helmut ist ein unglaublich offener und freundlicher Mensch, das muss ein guter Polizist gewesen sein. Beim Überholen hat er mich wegen meiner fehlenden schwarzen Arm- und Beinlinge und ohne Regenjacke kaum mehr erkannt. Er macht sich auf zu den Vesterålen, einer Inselgruppe nördlich der Lofoten. Ich erwähne unsere Geschichte, die wir mit unseren Freunden, den Honeggers, auf den Vesterålen erlebt haben: Beim Whale-Watching in Andenes kamen nicht alle ungeschoren davon…  Ich wünsche ihm gute Reise, füge an, dass ich auch über Andøya fahren werde und dass ich, wenn ich ihn auf dem Buckel eines Pottwales reiten sehe, ein Pic machen werde. Wir trennen uns lachend.

Helmut aus Regensburg, pensionierter Polizist – eine feine Reisebekanntschaft, immer gut drauf. Gute Reise, Helmut!🍀👍

Einige Kilometer weiter treffe ich zwei Bayern beim Brückenangeln. Es beisse gut, meinen sie, gestern hätte es sogar einen Heilbutt gegeben. Die beiden heissen Robert und Mike und kommen aus Altötting. Ein Pilgerort, wie Robert anfügt. Vielleicht ist dies ja der Grund, weshalb die Fische bei ihnen so gut beissen… Gottseidank sind die beiden locker drauf: Als ich frage, ob Altötting schon Franken sei, korrigieren sie mich: nein, nein, das ist Oberbayern, und lassen mich spüren, dass man da keinen Spass versteht! Ich lasse die beiden coolen Oberbayern, wünsche ihnen gute Reise und fahre weiter.

Robert und Mike aus Oberbayern beim Brückenangeln.

25 Kilometer vor Bodø überquere ich die Brücke über den Saltstraumen, den mächtigsten Gezeitenfluss der Welt. Unten fliesst das Wasser und bildet mächtige Wirbel – nicht der beste Ort zum Baden! Mitten in der Strömung hält ein Motorboot Position, und man sieht, dass das Boot ziemlich Schub geben muss, um nicht abgetrieben zu werden.

Am Saltstraumen

Einige Kilometer weiter trennt sich meine Komoot-Route von der Hauptstrasse und prompt laufe ich in eine Strassensperre. Die Arbeiter auf der längeren Baustelle sind aber gut drauf: Sie lassen mich passieren und halten während einem Moment ihre Baggerschaufeln still, damit ich gut durchkomme.

Das leicht wackelnde Bild in der Brückensteigung hat seinen Grund: wenn ich zum Schalten zu faul bin, wechsle ich in den Wiegetritt.

15 Kilometer vor dem Ziel ein erneuter Richtungswechsel: es geht nun steady westwärts. Das heisst: Rückenwind! Ich fliege nur so durch die Gegend und freue mich an den perfekten Radstreifen. In Bodø selber gibt es eine Art Rad-Autobahn, mit welcher man ohne Kreuzen des Autoverkehrs und wie auf Schienen in die Stadtmitte kommt. Da könnten unser Schweizer Verkehrsstrategen noch einiges lernen. 

Vor meinem Hotel in Bodø. Die Zivilisation hat mich wieder.😅

Einchecken, duschen, Siesta und planen, wie es auf den Lofoten weitergehen soll. Habe da so ein paar Ideen…

Ah ja, fast vergessen: Heute kommt mein Kilometerzähler tatsächlich auf eine Schnapszahl. Seit meiner Abreise in Blauen habe ich genau 2999 Kilometer zurückgelegt. Die unnötige Einkaufsschleife in Kjelleidet nicht eingerechnet.

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