Tag 35: Sandnessjøen – Flostrand

91 km, davon 7 km auf der Fähre Levang-Nesna / Anstieg: 986 m 

Nach den knapp 160 km von gestern erscheinen mit die gut 90 Kilometer heute als eine Art Kurzetappe. Da es zudem Samstag ist, lasse ich die Zügel schleifen und fahre erst spät, gegen 7.30 Uhr, los. Das relativ schöne Wetter treibt mich nicht zur Eile an. Sandnessjoen ist um diese Zeit wie ausgestorben, eine ghost town sozusagen. Weil es Samstag ist? Oder weil sie für das Mitsommerfest vom Montag vorschlafen?

Fahrt durch das morgendliche Sandnessjoen – es sind alle noch im Bett.

Kaum aus dem Städtchen draussen, überquere ich ein erstes Mal einen Fjord auf einer dieser imposanten Brücken, wie sie in Nordnorwegen so häufig sind. Sehr bald merke ich, dass das schöne Wetter seinen Preis hat: Der Wind bläst mir heute nicht in den Rücken, sondern ins Gesicht. Alle Vorteile zusammen hat man selten.

Die erste grosse Fjordbrücke rückt näher.
Welch ein Panorama auf der Fjordbrücke!

Ich verpasse die erste Fähre in Levang um 10 Minuten – kein Problem, die Etappe ist kurz. Dümmer ist der doch recht steife Wind und die Temperaturen bei etwa 11 Grad, was sich saukalt anfühlt. Das meint auch der pensionierte Polizist, mit dem ich gestern schon auf der Fähre war. Er habe die Nase voll, er fahre nach Südschweden, an die Riviera sozusagen. Ich kann ihn verstehen.

Das Wort zum Samstagmorgen – heute aus Levang.

Zum richtig Aufwärmen gehe ich nach der Fahrt auf der Fähre und 7 Kilometer später in Nesna erstmal in einen bzw. den Imbiss (es gibt keine zwei!). Dort verdrücke ich meinen ersten norwegischen Pølser, eine Art Hot Dog. Danach schwinge ich mich wieder aufs Rad und fahre 15 Kilometer weit, wo der längere Aufstieg auf den Pass zwischen Nesna und Utskarpen beginnt und Spitzen gegen 10% aufweist. Knapp unterhalb der Passhöhe überholt mich ein Luzerner Bus und hält bei einem Aussichtspunkt. Ich geselle mich zu den jungen Leuten – offenbar war ich auch mit ihnen gestern schon gemeinsam auf der Fähre. Man trifft sich immer mal wieder auf diesen Touristenpfaden…

Ausblick von der Passhöhe zwischen Nesna und Utskarpen.

Die Abfahrt nach Nesna ist rasant, bei 60 km/h bremse ich, da mir mein Gefährt mit dem zusätzlichen Ballast nicht für höhere Tempi gemacht zu sein scheint. 

Rasante Abfahrt – ab 60 km/h wird gebremst!

In Utskarpen treffe ich ein Bikepacking-Paar aus Biel an: Sie reisen genau in die umgekehrte Richtung. Ich sage ihnen lieber nicht, welcher Anstieg sie gleich erwartet. Im Café trinke ich einen Wallander-Kaffee (Capuccino gibt es nicht) und kaufe danach meine Fressalien für den Abend und den nächsten Morgen ein.

Die 15 Kilometer nach Flostrand sind schnell gemacht, nur schon der Name Flostrand lässt mich an unsere älteste Tochter denken. Einzig unangenehmer Aspekt dieser Fahrt: Ein 2.7 km langer Tunnel wirkt angsteinflössend: jedes überholende Auto tönt beim Näherkommen wie eine Brigade Kampfpanzer im Angriffsmodus. 

Auf dem Weg nach Flostrand: der liebe Volvo hat auch schon bessere Zeiten gesehen….

In Flostrand dann der Höhepunkt des Tages: Ich beziehe ein Airbnb, dass alle bisherigen Airs um Längen toppt. Ein Cachet seinesgleichen: Unterhöhe, alles aus Holz, viele Objekte aus vergangener Zeit, die zu einer äusserst stimmigen und doch funktionell einwandfreien Einheit zusammengefügt sind. Und vor allem: cosy and warm.*

Mein heutiges Airbnb – ein Bijou in jeder Beziehung!

Die Dusche fällt heute kurz aus (2 Minuten), danach die Routinen und „Kochen“: In einem Bain Marie erhitze ich zwei Beutel (Reis sowie Sosse aus Gemüse und Pouletstückchen), die zusammen ein Sweet and Sour-Gericht ergeben. Ich finde es gut (und schäme mich fast ein wenig dabei). Ein Blick auf das norwegische Wetter-App bestätigt meine subjektive, am Abend gemachte Wahrnehmung: Es wird wärmer. Geht ja!

Mother  The Wall/Pink Floyd 

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