159 km, davon 27 km auf den Fähren / Anstieg: 835 m
Vor dieser Tour hatte ich ein wenig Bammel gehabt, denn mit knapp 160 km Länge und 3 Überfahrten mit Fähren war die Gefahr gross, durch Wartezeiten viel Zeit zu verlieren und erst verspätet in Sandnessjøen einzutreffen – Alles klappte super, ich bin um 16 Uhr angekommen! Das liegt u.a. daran, dass ich mir am Vorabend alle Abfahrtszeiten notiert habe und meinen Fahrrhythmus entsprechend angepasst habe.
Ich starte um 6 Uhr, um sicher für die 7.40 Uhr-Fähre in Holm zu sein. Ich bin über eine halbe Stunde zu früh da – und werde mit zum Teil massiven Regenschauern empfangen. Ich bin nass und leicht unterkühlt, bevor es richtig losgeht.
Nach der ersten Fähre von Holm nach Vennesund durchquere ich die Insel Sømna auf quasi ihrer ganzen Länge, also 50 km. Die Insel ist flach und ich komme, auch dank des leichten Rückenwindes, hervorragend voran. Ich widerstehe der Versuchung in Vik (km 39) oder Berg (km 49) in eines der Cafés der dortigen Coop-Läden zu gehen: Meine nächste Fähre in Horn (km 85) fährt pünktlich. Ich komme mit etwas Zeitreserve in Horn an, wo mich die Fähre nach Anndalsvåg bringt. Die Zeit der Überfahrt nutze ich für einen sehr amüsanten Smalltalk mit einem pensionierten Töfffahrer aus Valenciennes (F), der sich selber nicht zu ernst nimmt und mir die nötige Distanz zur Töfferszene zu haben scheint. Die folgenden 18 km nach Forvik sind ebenfalls sehr rollend, auch wenn das Terrain nun ein wenig coupierter ist. Mittlerweile ist die Vegetation auf den Inseln echt karg und auf den Hügeln hat es z.T. noch Schneereste. In Forvik habe ich genug Zeit, Bananen, ein Skolebrød (weniger gut als jenes aus dem Smak og Behag in Oppdal, aber ok) sowie Getränke zu kaufen.
Auf der Fähre nach Tjøtta lerne ich Johannes aus Melk (A), gut 30 Jahre alt, kennen. Er hat bersite eine längere Odysse durch Südnorwegen hinter sich und hat auch das Nordkap zum Ziel, schläft und kocht quasi exklusiv im Zelt. Sein Rad (das an sich heillos überladen ist) hat schon einige Zipperchen gehabt – Johannes hat u.a. mittels youtube gelernt, wie man Speichen richtig anzieht und so eine Acht aus dem Rad holt. Ich bewundere seine Art zu reisen, der macht nicht so schnell in die Hosen.
Wir legen die knapp 40 km zwischen Tjøtta und Sandnessjøn gemeinsam zurück. Mittlerweile ist das Wetter auch ganz ok und manchmal zeigt sich eine milchige Sonne. Wir sind schon mit wenig zufrieden. Ein Angestellter der ersten Fähre hatte noch von einem „Shit-Summer“ geredet. Jetzt ist’s ganz passabel, Johannes fährt sogar in Shorts. Wobei das eigentlich keine Referenz ist, das tut er wohl auch bei Schneefall…
Knapp 20 km vor Sandnessjøen zweigen wir kurz ab und besuchen die Kirche von Alstahaug. Das danebenliegende Petter Dass-Museum besuchen wir nicht. Mir sagt der Name nichts 🙈 – offenbar ein norwegischer Lyriker aus dem 17 Jahrhundert – und ich bin doch schon 130 km unterwegs. Dreiviertel Stunden später (zwischendrin hat’s schon wieder getröpfelt) trennen sich unsere Wege: Ich biege links ab zu meinem Airbnb, Johannes macht sich auf die Suche nach einem guten Zeltplatz. Es ist das erste Mal, dass ich einige Kilometer mit einem (sehr sympathischen) jungen Mann geradelt bin. Unsere Durchschnittstempi liegen nicht weit auseinander, sodass das richtig Spass gemacht hat. Ich hoffe, Johannes kann sein Radabenteuer wie geplant und ohne weitere Schäden an seinem Rad beenden. Gute Fahrt, mein Niederösterreicher!


Mein Airbnb ist schnell gefunden: Es gefällt mir mit seiner Galerie ausgezeichnet, ist gut eingerichtet und liegt unweit des Stadtzentrums. Die ausgiebige Dusche (das heisst bei mir 3 Minuten) ist schon mal ein erstes Highlight. Dann folgen die Routinen, mein täglichges Brot, sozusagen. Ich freue mich auf einen satten Pasta-Teller und eine erholsame Nacht. Mit den Pausen und Wartezeiten war ich doch 10 Stunden unterwegs.

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