113 km / Anstieg: 1610 m (Plus 10 km Rad nach Feierabend, für den Einkauf des morgigen Frühstücks im nächstgelegenen Laden)
Die heutige Etappe lag mir ein wenig auf dem Magen: 120 Kilometer Distanz, Kälte und Regen – kein Zuckerschlecken!
Ich stehe früh auf und reise schon kurz nach halb sieben ab, vielleicht kriege ich ja die Fähre um 9.20 Uhr von Lund nach Hofles (Kilometer 52) doch noch. Zudem soll es am Morgen noch eine Weile trocken bleiben.
Die ersten zwei Stunden verlaufen durch coupiertes Gelände. Komoot sieht für die heutige Etappe insgesamt 1610 Steigungsmeter mit insgesamt 14 kotierten Steigungen vor.
Ich komme gut voran, auch wenn kurz vor Lund der Regen einsetzt. Ich erreiche die 9.20 Uhr-Fähre, ein erstes Ziel ist somit geschafft.
Auf dem Oberdeck der Fähre ist es zugig und kalt. Ich bin froh, als wir in Hofles anlegen. Der Regen hat kurzzeitig ausgesetzt, sodass ich relativ trocken nach Kolvereid komme. Dort, bei Kilometer 75, genehmige ich mir im Café des Coop-Einkaufszentrums eine Art Crèmeschnitte (einfach ohne Blätterteig-Schichten, also konsistente Vanillecrème pur) und einen Cappuccino. Als ich gegen 11 Uhr weiterfahren möchte, schüttet es derart stark, dass ich erstmal im Coop bleibe. Die neue norwegische Wetter-App (Erlend in Follafoss hatte mich auf sie hingewiesen) meldet für 11.45 Uhr ein Nachlassen des Regens. Ich genehmige mir im Café einen Wallander-Café (also Filterkaffee, der oftmals eine ziemliche Plörre ist), der a) überraschend gut ist und b) gratis abgegeben wird. Genial!

Um 11.45 lässt der Regen tatsächlich nach, jedoch habe ich gesehen, dass ich auf meiner Fahrt nordostwärts wieder ins Regenband reinfahren werde – uns so ist es auch. Ich habe mittlerweile meine Schuhüberzüge montiert, was sich bewährt: keine nasse und somit kalte Füsse!
Dank Westwind komme ich gut voran, die norwegische Crèmeschnitte verleiht mir einen richtigen Powerschub, und so fliege ich förmlich dem Etappenziel entgegen. Fünf Kilometer vor demselben gibt mein Garmin den Geist auf und empfängt keine GPS-Signale mehr. Den Zeltplatz mit Hütte finde ich auch so. Ich staune nicht schlecht, dass es dort keinen (auf Campingplätzen sonst üblichen) Lebensmittelladen gibt. Zuerst lege ich meine nassen Sachen zum Trocknen aus (der Zeltplatz-Chef hat mir freundlicherweise eine Art Wärme-Ventilator gegeben). Danach schwinge ich mich nochmals aufs Velo fahre 5 Kilometer und kaufe mein Zmorge für den folgenden Tag ein. Danach wieder 5 Kilometer zurück, logischerweise. Dass es dabei wieder leicht regnet, passt zum Tag.

Wieder zurück in meiner Hütte, staune ich nicht schlecht, dass für die heutige Tour statt der von Komoot angegebenen gut 1600 Höhenmeter nur deren 675 erscheinen. Dafür gibt es keine Erklärung, ich habe in den letzten Jahren ein gutes Gefühl für Steigungsmeter entwickelt. Irgendetwas mit Komoot oder Garmin stimmt nicht. Bei der Kontrolle der Garmin-Protokolle merke ich, dass das Teil völlig von der Rolle ist: die erste Steigung, die ich locker im Sattel absolviert habe, wird bei Garmin mit 26% angegeben. Also soooo fit bin ich auch wieder nicht. Dafür werde andere Steigungen mit 0.2, 0.4 oder 0.8 % angegeben. Sorry Garmin, aber das sind keine Steigungen! Ist ja wurscht, solange ich meine Etappenziele finde.

Ich futtere eine überraschend wohlschmeckende Portion Hacktätschli mit Sauce, Kartoffeln und Erbsenmus beim Camping-Chef in der Rezeption (es gibt ein kleines Angebot für Abendessen, aber KEIN Frühstück…), verabschiede mich vom Chef und bereite den morgigen Tag vor. Als Erstes buche ich ein Airbnb in Sandnessjoen. Weit weg, aber ein Teil des Weges sind Fährstrecken. Anders kommt man hier nicht nordwärts…
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