74 km / Anstieg : 410 m
Ein kleines Résumé vor der heutigen Etappe: Ich bin nun genau einen Monat unterwegs (Start am 18. Mai) und habe neben 8 Ruhetagen 23 Etappen zurückgelegt und dabei 2367 km abgestrampelt.
Das Motto des heutigen Tages scheint klar zu sein: Je beschi**ener das Wetter, desto besser die Unterkünfte. Stimmen die aktuellen Mittelfrist-Prognosen, werde ich auf den Lofoten nur noch in Fünfsterne-Hotels logieren 🙄.
Ich komme recht früh von Follafoss weg. Der angesagte Regen treibt mich zur Eile. Das erste Teilstück bis Malm folgt dem Verrasund, der bisweilen ein surreales Erscheinungsbild bietet. Da lassen die dunklen Regenwolken das Wasser grau und fahl erscheinen, ein paar Kilometer weiter, wo Wolkenlücken die Sonne durchscheinen lassen, liegen blendende Silberstreifen auf dem Sund. Ich selber strample schon früh im Regen. Es kommt das Gefühl auf, ich hätte heute – anders als üblich – genau die richtige Regenzelle gemietet, die mich jetzt treu durchs Land verfolgt…
Nach ca. 25 Kilometern überland mit einem bunten Wechsel zwischen auf und ab komme ich wieder ans Wasser. Dieses Mal ist es kein Binnengewässer, sondern der Lyngenfjord, ein Ausläufer des Nordmeeres. Der zunehmende Verkehr und die wiederauftauchenden Radwege zeigen an, dass ich mich der Stadt Namsos nähere, meinem heutigen Etappenziel. Ich fahre an Ortschaften und Campingplätzen vorbei, die ich optional angesteuert hätte, wenn ich die Etappe Trondheim – Namsos an einem Tag versucht hätte. Das wären dann die sogenannten Rettungsanker gewesen. Ich bin froh, es in zwei Teilstücken gemacht zu machen, das wäre eine relativ anspruchsvolle Aufgabe geworden, v.a. bei diesem Regen und der relativen Kälte (heute mickrige 11 Grad).
Ich komme in Namsos an und mein Navi führt mich zielsicher an den richtigen Ort. Dort erwartet mich die schönste Überraschung des Tages: Als ich mich der Wohnung nähere, hat mir Ole, der rein sprachlich jugendhafte auftretende Vermieter, bereits geschrieben, mit allen Angaben (Schlüsselcode, was wo wie etc.). Ein Mann nicht soooo viel jünger als ich tritt auf den Platz. Ob ich der Airbnb-ler sei, fragt er freundlich. Es stellt sich heraus, dass der Mann Oles Sohn ist. Ole sei schon 84, aber noch voll da, meint sein Sohn. In der Tat: Die Wohnung liegt über einer Garage, die Schlüssel zu Wohnung und Garage können bequem via Code aus einem Fach geholt werden. Zur Unterscheidung hat Ole ein Rennrad auf den einen Schlüsselanhänger gezeichnet. Ich finde das genial – der macht seinen Airbnb-Job wirklich mit viel Einsatz, Liebe und Humor. Die Wohnung selber ist der Hit: Mitten im Zentrum gelegen ist sie funktionell genial ausgerüstet, tipptopp sauber und schön beheizt.


Wie sage ich meinem Mieter, welches der Schlüssel für die Wohnung und welches der für den Abstellraum fürs Velo ist? Ole macht das via Zeichnung!😅
Um 17 Uhr sind alle wichtigen Dinge getan: Dusche, kurze Siesta, Sacochen und Klamotten gewaschen, letztere auch aufgehängt, Transfer von Videos und Pics von meiner dji aufs iPhone, Cappuccino und leckeres Sandwich in der nahen Bäckerei, Fahrradkette gereinigt und mit Lube versehen, Fahrrad rudimentär geputzt, Einkauf für das morgige Frühstück, kleiner Stadtrundgang (die Stadt ist ja auch klein) mit Kauf neuer Radhandschuhe mit langen Fingern (die alten sind kaputt), guter Italiener fürs Abendessen gefunden, die morgige Route sauber und im Detail auf Komoot bzw. Garmin gespeichert, ungefährer zeitlicher Ablauf des morgigen Tages geplant (Wann muss ich wo sein, um das Etappenziel zu einer vernünftigen Zeit zu erreichen?). – Es ist schon so: Auch wenn man bereits um gut Mittag am Ziel ankommt, wird einem nicht langweilig!


Ja, morgen wird mit gut 120 km und 1600 Höhenmetern nach Bindalseidet ein richtiger Knochen zu knacken sein. Ich glaube, für einmal gehe ich heute Abend nicht zu lange in die Disco…

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