Nachtrag zum Tag 30 

(3. Ruhetag Trondheim)

Um 18 Uhr begebe ich mich zu meiner Vermieter-Familie Safarian in den oberen Hausteil. Roya Safarian begrüsst sich mit ihrem Ehemann Jafar. Die beiden sind vor 21 Jahren aus dem Iran nach Norwegen ausgewandert, nachem Jafar eine Stelle als Professor in Material-Engineering an der Uni Trondheim erhalten hat. Roya arbeitet auch – und zwar zu 100%! – für eine norwegische Erdölfirma. Grücklicherweise lässt sich einiges via Homeoffice erledigen. Roya und Jafar leben zusammen mit ihren beiden Töchtern in einem der schmucken Zweifamilienhäuser am Pinebergvegen. 

Roya hat ein feines Nachtessen zubereitet: Lachs mit verschiedenen Gemüsen (Karotten, Peperoni, Zuchetti, Bohnen) dazu eine Art Crème fraîche sowie Oliven. Das Essen schmeckt ausserordentlich gut. Ebenso lecker ist der Nachtisch mit Schokolade-Eis mit Cashew-Nüssen (neue Variante – super!) sowie kleine Pralinés aus schwarzer Schokolade und – Tee! Wir unterhalten uns ganz hervorragend, die Stimmung ist geprägt von gegenseitigem Interesse und Sympathie. Selten habe ich so herzliche und freundliche Gastgeber erlebt. Wir lachen zudem viel, auch wenn die Themen nicht nur lustig sind – kein Wunder, wenn man bedenkt, was gerade in Safarians Heimatland, dem Iran, abgeht. Wir reden auch viel über Schule und was sie soll und kann. Roya kennt die Probleme, die ADHS bereiten kann, aus eigener Erfahrung. Mühsam, wenn einem die Konzentration immer wieder abhandenkommt und man nicht fokussiert bleiben kann. Die Tochter Armita, bald in ihrem letzten Gymijahr, ist teilweise auch davon betroffen. Im Gegenzug können Jafar und ich uns über unseren Tinnitus unterhalten, der offensichtlich bei Jafar aufgrund unregelmässiger Geräusche mühsamer ist als bei mir.

Mit den Safarians nach dem feinen Nachtessen.

Jafar und Roya lassen mich erkennen, dass ich viele Orte und Seiten von Trondheim und dessen Umgebung noch nicht entdeckt habe. Vielleicht reicht es ja mal auf einer Reise mit Rose-Marie bis hierher. Rein visuell finde ich nicht nur die Stadt, sondern selbst dieses Wohnquartier richtig schön. Keine Flachdächer (aus statischen Gründen: Im Winter hat es zum Teil massig Schnee), leicht daherkommende Konstruktionen mit viel Holz und viel farblicher Abwechslung. Zudem sind gewisse Häuserzeilen so eingerichtet, dass sie ideal für junge Familien sind. Schön, in einer solchen Umgebung zu wohnen und man versteht, dass die Norweger als glückliches Volk gelten. Die Safarians fühlen sich jedenfalls sehr wohl hier, auch wenn ihnen die Winter mit den teils ultrakurzen Tagen (lediglich 4 Stunden Licht) Mühe machen.

Gegen 9.30 Uhr kehre ich in meine Einbauwohnung zurück. Wir verabschieden uns, denn morgen geht es für mich früh los. Der Abschied fällt offenbar nicht nur mir schwer: Safarians sind eine überaus liebenswerte und warmherzige Familie. Ich werde sie nicht vergessen. Schnell machen wir noch ein Abschiedsfoto – wann werde ich die Safarians wohl wiedersehen?

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