130 km / Anstieg: 1’500 m
Walk on the wild side (Lou Reed)
Da das Hotel in Oppdal erst ab 8.00 Uhr sein Frühstück anbietet, komme ich verspätet, kurz vor 9 Uhr, weg. Ich bin sehr guter Dinge, denn seit Ewigkeiten kann ich wieder mal ohne Armlinge und Beinlinge fahren: Es herrscht schönes Wetter mit angenehmen Temperaturen.
Wie üblich geht es zuerst in die Höhe und danach auf unasphaltierten, aber für Gravels sehr gut und auch zügig befahrbaren Strassen. Das Prinzip von Komoot habe ich durchschaut: Wenn immer möglich lotst es die Radfahrer weg von der bisweilen stark (und schnell!) befahrenen Bundesstrasse E 6. Manchmal ist dieses Prinzip gut, manchmal echt übel.
Vor und nach Berkak ist’s penibel: Die mühsam erarbeiteten Höhenmeter können auf der Abfahrt nicht durch enstprechendes Laufenlassen quasi kompensiert werden. Zuerst geht es eine Kiesstrasse mit teilweise über 10% Gefälle runter und ich stehe nur auf den Klötzen. Ein zweites Mal komme ich auf einen Weg Marke „adventure-trip“: Wie auf der Hønefoss-Etappe stoppt mich zweimal ein Viehgatter.

Da diese aber geöffnet werden können und nirgends „forbudt“ steht, passiere ich den Abschnitt. Und wie! Bisweilen kommeich mir vor wie ein Rodeo-Reiter kurz vor dem Abwurf, und das bei äusserst gemässigtem Tempo. Dass die DJI daraus konsumierbare Bilder macht, spricht für deren technischen Fähigkeiten… Immerhin: Der Lärmpegel der nahen E 6 lässtmich vermuten, dass es einen Weg zurück in die Zivilisation gibt. Und es gibt ihn!
Auf den folgenden Kilometern folgt der Weg der E 6, entlang dem (oder der?) Sokna bzw. dem (oder der?) Gaula. Im oberen Teil des Tales ist der Sokna noch echt wild, je weiter es runter geht, desto zahmer wird er. In Soknedal (km 61) halte ich ein erstes Mal an, um meine Trinkreserven aufzufüllen.
Die letzten gut 40 Kilometer werden dann richtig tough: Während in Oppdal noch ein leichter Rückenwind blies, weht mir auf diesen leicht coupierten Kilometern eine steife Brise entgegen. Es wird einem kein Kilometer geschenkt, permanenter Krafteinsatz und kräftiges Treten sind notwendig. Einmal überhole ich eine (ältere und technisch wenig überzeugende) Rollski-Athletin. Als ich ihr beim Überholen „Hej“ zurufe, fällt sie beinahe zu Boden – Sorry! Zwanzig Kilometer vor Trondheim halte ich ein zweites Mal an, ein Eisstängel Typ Magnum und ein Coca wirken nahezu intravenös. Ich komme den letzten Anstieg von 130 Höhenmetern locker hoch. Ein letzter Anstieg steht dann noch zu meiner Kleinwohnung an. Erst als ich ankomme, merke ich, dass dieser Tag wirklich anstrengend war: Radhandschuhe und Helmriemen sind weiss vom Salz, das ich heute rausgeschwitzt habe.

Eine tolle Überraschung dann beim Bezug meiner Wohnung: Eine sehr nette Familie, die vor 21 Jahren aus dem Iran nach Trondheim gezogen ist (der Vater ist Uni-Professor in Material-Engineering), stellt mir das „Cosy small bedroom flat“ zur Verfügung. Beide Adjektive stimmen, aber dank genialer Einrichtung habe ich tipptopp Platz und fühle mich sofort wohl.
Nach dem Bezug fahre ich nochmals in Vollmontur in die Stadt runter. Dort treffe ich drei Niederländer (des vrais chlopets!), die morgen am Radrennen Trondheim-Oslo teilnehmen werden. Ich erstarre fast vor Ehrfurcht, aber die drei sind so cool drauf, dass wir uns köstlich amüsieren.

Danach geht’s in die Pizzeria, ich kaufe mir noch einen Wrap und anderthalb Liter Süsswasser und radle dann, in aller Gemütsruhe, den Hang hinauf in mein tiny und cosy Heim. Dort erwartet mich der beste Moment des Tages: Die Dusche.
Und ja, ich bin wärschaft müde. Gut, habe ich 2 Tage Pause!

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