Als ich am Nachmittag den Ort Oppdal google, sticht mir ein Name ins Auge: Ein berühmtes Kind Oppdals war Eric Håker, Skiläufer, Jahrgang 1952. Eric Håker war in den 70-er Jahren des letzen Jahrhunderts eine echte Nummer, und zwar auf der grossen Weltcup-Bühne. Sowohl im Riesenslalom als auch in der Abfahrt erzielte er zahlreiche Spitzenplätze. Wir Jungs, die den Weltcuprennen lückenlos zuschauten, wir fürchteten Håker, weil er u.a. Schweizer Siege verhinderte oder zumindest Spielverderber für noch bessere Schweizer Resultate war. Immerhin, in Sapporo gewannen Russi und Collombin Gold und Silber, Håker wurde „nur“ Fünfter. Trotzdem: Wir hatten lieber Håker vor den Schweizern als die Österreicher… Håker war der erste Norweger, der für sein Land ein Weltcuprennen gewinnen konnte. Er wurde dafür speziell mit der Holmenkollen-Medaille ausgezeichnet und gilt in Norwegen (und nicht nur dort) als Sportlegende.

Beim Abendessen im „Det sorte Får“ („Das schwarze Schaf“– nomen non est omen, das Essen war top) kommt mir die Idee, Håker könnte ja noch in Oppdal wohnen. Gedacht, gegoogelt, gefunden. 10 Minuten von der Beiz entfernt. Und weil mich kein Vernunftswesen zurückhält, gehe ich hin. Der wird mich schon nicht gleich umbringen. Als ich bei Håker läute, regt sich nichts. Wohl ortsabwesend. Schade. Immerhin habe ich es versucht.

Beim Nachbarhaus fährt gerade jemand mit viel Schmackes mit einem Riesentraktor in die Hauseinfahrt. Ich staune nicht schlecht, als ich eine zierliche junge Frau absteigen sehe. Ob sie Håker kenne, frage ich. „Ein wenig“, meint sie. Aber sie wisse nicht, ob er da sei. Ok, ich gehe weiter. Nach etwa 30 Metern steigt gerade eine Frau aus ihrem Auto. Ich kann es mir nicht verkneifen: „Kennen Sie Eric Håker?“ – „Ja klar!“ antwortet mir die Frau. „Der ist immer noch fit, fährt immer noch Ski, doch doch, dem geht es gut.“ Dann frage ich die Frau, ob ich ein Pic von ihr für meinen Blog haben könne und wie sie heisse. Ja klar, meint sie ungezwungen, und sie heisse Trine Bakke. Da macht es bei mir „Bling!“. Und ich frage sie, ob sie die frühere Weltcup-Fahrerin Trine Bakke sei. „Ja“, meint sie nur und erzählt mir ein wenig von ihrer Karriere. Diese dauerte von 1994 bis 2006, Bakke erzielte in den Kategorien Slalom und Riesenslalom mehrere Sitzenresultate, darunter zwei Weltcupsiege in den Slaloms von St. Anton (1999) und Maribor (2000). 1999 gewann sie in Vail zudem die Brozemedaille beim olympischen Slalomrennen.

Ich staune nur so, mit wieviel Naturell und Offenheit sie mir das so erzählt, von Allüren keine Spur. „Und“, meint sie, „da drüben (sie zeigt auf ein Nachbarhaus) wohnt die Mutter von Timon Haugan. Jetzt macht es sogar „Bling Bling!“. Haugan ist kein Skiläufer vergangener Zeiten, er gehört zu den absoluten Topstars unter den heutigen Slalom- und Riesenslalom-Spezialisten. Ich kann es kaum glauben.

„Dann wohnen sie wohl im Quartier mit der höchsten Dichte an Alpin-Spitzencracks.“ sage ich. Ja, vielleicht, wobei das Trine Bakke nicht zu sehr beeindruckt. Ich verabschiede mich von ihr und mache mich auf den Heimweg. Leicht versonnen und mit vielen Erinnerungen an die früheren Skirennen.
Manchmal ist es vielleicht gar nicht so schlecht, seinen kindlichen (oder kindischen, wo ist die Grenze?) Einfällen nachzugeben. Jedenfalls werde ich das sonst so unscheinbare Oppdal mit einem sporthistorisch erweiterten Horizont verlassen.
Hinterlasse einen Kommentar