Tag 23:  Gjøvik – Lillehammer

47 km / Anstieg: 715 m 

Da es bis Lillehammer nur 47 km sind, gehe ich alles ziemlich gemächlich an. Das Frühstücksbuffet ist exzellent und so starte ich, wie schon fast üblich, mit einem längeren Aufstieg. Super Strasse, denke ich, bis ich auf der anderen Seite auf einer Rumpelstrasse runterfahren muss, die den Radstreifen in Hamburg in nichts nachsteht. Dann geht es dem Mjøsa bzw. der zwischen dem Radweg und dem See gelegenen, stark befahrenen E6 entlang, westnordwestwärts. Bald verengt sich der See, und schliesslich überquert man dessen Zufluss, den Lågen, auf der Höhe von Lillehammer.

Ein gutes Frühstück – das A und O jeder Radtour!
Die ersten paar Hundert Meter – Freude am Rollen

Bald kommen mir erste Radfahrer entgegen, zu zweit oder hordenweise. Sie mit enem flotten „Hej hej!“ und dem Wind im Rücken, ich gegen eine teils böige und mühsame Brise. Kein Problem, noch vor Mittag fahre ich zuerst in der Stadt und dann im sehr schönen Hotel Breiseth ein. Ich staune nicht schlecht, welche ausgeklügelte Form von Tandem für Bikepacking ich im Abstellraum für Gästevelos entdecke. Da ich früh dran bin, gönne ich mir eine Siesta der Länge von Atom Heart Mother, also 23 Minuten. 

Auf der Brücke über dem Lågen, vor den Toren Lillehammers.
Welch eine Maschine fürs Tandem-Bikepacking!

Dann mache ich den Norweger und ziehe trotz kühlen 13 Grad meine Shorts an und nehme dazu – sicherheitshalber – meinen Fleece mit. Es geht in die Stadt, die nicht sehr gross ist, aber durchaus ihren Charme hat. Natürlich nehme ich auch den Weg ins Olympia-Zentrum unter die Füsse. Zuerst entdecke ich das Birkebeineren-Hotel – Lillehammer ist der Zielort des jährlich ausgetragenen Birkebeiner-Laufs und ich denke an unsere Freunde Brian und Tina Henriksen aus Wisconsin, die dieses harte Rennen schon absolviert haben.

In der Fussgängerzone.
Das Birkebeiner Hotel mit einem Rødøymannen, einer 4000 Jahre alten Darstellung eines Skiläufers.

Das Zentrum mit den Skisprungschanzen liegt oberhalb Lillehammers, ca. 15-20 Gehminuten entfernt. Als ich ankomme, wird gerade intensiv trainiert. Aufgrund der Qualität der Sprünge merke ich, dass da keine Amateure am Werk sind. Ich spreche einen Verantwortlichen an, der sich als sportlicher Chef der estnischen Kombinierer(innen) heraustellt, welche eng mit dem norwegischen Verband zusammenarbeiten. Und dann steht er plötzlich da, Jarl Magnus Riiber, der unbestrittene Champion der Kombinierer, der zwischen 2018/19 und 2023/24 den Gesamtweltcup insgesamt fünfmal (!) gewonnen hat. Dünn und drahtig ist er nach wie vor, nachdem er 2025 seine Karriere aus familiären und gesundheitlichen Gründen beenden musste, gerade mal im Alter von 28 Jahren. Riiber coacht das norwegische Kombinierer-Team. Jeder Sprung wird gefilmt und mit den Beobachtungen der Techniker vom Sprungturm aus analysiert und direkt mit den Springer(innen) im Auslauf via Handy besprochen. Beeindruckend! Kein Wunder sind die Norweger derart stark in den nordischen Disziplinen. Schnell gehe ich zu Riiber hin und gerne stellt er sich für ein Erinnerungspic zur Verfügung. Ein guter Typ, wie es scheint, denn sein Umgangston mit den z.T. sehr jungen Springer(innen) ist aus pädagogischer Sicht hervorragend.

Skispringen – einer meiner Lieblings-Sportarten, schon immer.

Ich steige wieder in die Stadt hinunter, wo wegen des Pfingstmontags alles geschlossen ist. Am Bahnhof kaufe ich anderthalb Liter Iso-Getränke für die morgige Etappe. Ich kehre ins Hotel zurück, um mir einen (in norwegischen Hotels offenbar standardmässig) gratis offerierten Kaffee zu gönnen. Schnell frage ich die Rezeptionistin, wo sich denn die beste nahegelegene Pizzeria befinde und kriege Auskunft. Das Tageswerk ist getan, die kurzen Etappen sind manchmal nicht die langweiligsten. Heute Abend steht noch etwas Nesser auf dem Programm.

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