107 km / Anstieg: 973 m
„Komoot heisst nicht immer kommod.“ (Weisheit gewisser Radler)
Heute steht grosso Modo die Tour vom Randesfjord zum grössten See Norwegens an, dem Mjøsa. Zum Vergleich: Der Mjøsa ist „nur“ zwei Drittel so gross wie der Bodensee.
85 km und gut 1100 Steigungsmeter meint Komoot, meine Planungs-App. Also kürzer als gestern und nicht nur flach.
Gleich zu Beginn geht es 100 Höhenmeter hoch – ein gemächliches Einfahren. Oben beginnt es auch schon zu regnen, aber nicht allzu lange. Während der anschliessenden Abfahrt sehe ich zum ersten Mal den landschaftlich wunderschönen Randesfjord.
Nach etwa 16 Kilometern geht’s dann richtig los. Ich fahre in den norwegischen Koppenberg. Dieser hat zwar keine Pavés, ist aber ebenfalls tierisch steil, tiefrot in den Prozentzahlen zwischen zehn und zwanzig. Mit meinem Reiseballast eine echte Challenge. Schliesslich muss ich zum Trick 77 greifen: Ich fahre zickzack, um so die Steilheit ein wenig zu brechen. Mit Erfolg, ich steige NICHT ab!
Dann geht es landschaftlich unglaublich schön durch hügeliges Gelände, dem Randesfjord entlang.
Beim Weiler Grimstad jagt mich Garmin bzw. Komoot rechts den Hang hoch. Bald merke ich: falsche (Teer)Strasse, es ist die parallel dazu verlaufende Schotterstrasse. Komisch, die Route wurde doch im Modus Rennrad fixiert… Aber doch: Das (genauere) Handy gibt exakt an, dass ich auf der richtigen Piste bin. Nach etwa 400 Metern ist dann Schluss mit lustig: Ich komme an eine Art Viehgatter aus Metall. Unüberwindbar. Unmöglich, das Rad daran vorbeizutragen. Daneben ein Schild:INNKJØRING FORBUDT – BOM I ANDRE ENDEN. Das versteht sogar ein Nicht-Norweger.

Ich fahre erstmal zurück, zur Hauptstrasse runter und esse eine Banane. Schaue dann banal auf Google maps, wie ich am besten nach Gjøvik komme. Auch Google maps schlägt die verbotene Schotterpiste vor.

Ich nehme die Auto-Variante und fahre leicht genervt Richtung Hov. Wieder und wieder versucht mein Garmin, mich rechts den Berg hochzuschicken. Zurück auf die geplante Tour, auf ebenso abenteuerlichen Wegen. Ich ignoriere das Teil. Immerhin verwöhnt mich auf dieser Strecke eine häufig scheinende Sonne. In Hov angekommen, kaufe ich mir in einem Tankstellen-Laden eine Art Vanille-Schnecke plus ein Fanta plus ein Gatorade für den Berg hoch. Derart gestärkt, dafür wieder mit einem Regenguss eingedeckt, strample ich die gut 300 Höhenmeter hoch – und lasse es auf der anderen Seite des Hügelzuges abwärts so richtig laufen.
Meine Bilanz bei der Ankunft vor dem Hotel in Gjøvik: Statt der 85 Kilometer habe ich deren 107 gemacht – Komoot sei dank.
Dafür ist die Rezeptionistin umso freundlicher. Wegen meines vielen Gepäcks upgradet Sie mir mein Zimmer. So ist es doch schon viel kommoder, das Bikepacking!

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