Tag 18:  Letzter Tag Time out in Aalborg

Der Tag beginnt nicht so, wie ich mir das wünschte: Bei meinem Check des Fahrrads in der Abstellkammer im Keller stelle ich fest, dass der hintere Reifen ziemlich viel Luft verloren hat. Unschön. Den Reifen einfach nachpumpen und dann auf halbem Weg nach Hirtshals auf den Felgen stehen bleiben – nicht meine Art, zumal die Fähre ihre fixe Abfahrtszeit hat und ich mein Ticket dazu bereits gelöst habe…

Da ich keine Experimente eingehen will, suche ich Jan, meinen Mechaniker von vorgestern auf. Keine Zeit, auch der zweite Laden nicht. Die dritte Adresse, das Flexi Fix gleich um die Ecke, ist dann die richtige. Der Inhaber, Jiri (ja, er ist Tscheche), nimmt sich der Sache an. Er ersetzt die bisherigen Reifen mit zwei Schwalbe Marathon e plus. Stärker geht nicht. „Unplattbar“ sagt die Reklame im Net.  Dazu checkt er auch noch die Gangschaltung und das Steuerrohr. Das ganze zu fairen Preisen – ich habe meinen neuen Lieblings-Velomonteur in Aalborg. – Ich glaube, man sieht mir meine Erleichterung an.

Das Flexi Fix und dessen Leiter Jiri – meine guten Geister von heute.

Unweit des Flexi Fix fällt mir ein Laden der besonderen Art auf, den ich nach meiner kurzen Siesta nachmittags besuche. Es ist eine Verkaufsstelle der Bolia, einem in Aalborg ansässigen Möbelgeschäft. Das Geschäft ist in einem ehemaligen „Menighedshjem“ (Gemeindehaus“) untergebracht, welches zuerst in ein Café und danach in einen Möbelladen umfunktioniert wurde. Very stylish! Ich wage einen Blick in die gute Stube, und schon werde ich von der jungen und äusserst freundlichen Angestellten zu einem Kaffee eingeladen. Dänischer Charme. Oder eine kurzfristig unterbeschäftigte Verkäuferin. Anyway, das Ambiente in diesen Räumlichkeiten ist genial – ich werde das nächste Mal bei der Durchfahrt mit Rose-Marie einen Abstecher hierhin machen.

Das ehemalige Gemeindehaus – heute Sitz des Möbelgeschäftes BOLIA.

Ein Blick in das BOLIA-Geschäft.

Später kaufe ich mir noch die wichtigsten Dinge (isotonische Getränke, Riegel) für die Etappe von morgen ein. Dabei komme ich durch eine Ecke Aalborgs, wo es mehrere tolle Objekte von Streetart zu bewundern gibt.

Schliesslich strande ich auf der Terrasse eines Kaffees, dessen Preise (ich nehme Café + Croissant) mit der Wartezeit stark korrelieren: Es dauert eine Ewigkeit, bis der Service kommt. Ich profitiere und beobachte das Treiben auf der Bredegade (Breite Gasse – die allerdings nicht gerade breit ist): Es fällt mir auf, dass viele der Däninnen eine Art Brünhilde-hafte Robustheit ausstrahlen – oder habe ich wieder nur Clichés im Kopf? Daneben sehe ich eine Reihe Hunde, die von ihren Besitzer(innen) in der Gasse promeniert werden. Da gibt es die aufgeregten, agilen, neugierigen, zerstreuten und fast unzähmbaren. Andere wirken eher sediert, teilnahmslos, träge und ziemlich apathisch. Am meisten leid tun mir jene, die nicht mehr so fit sind, sich aber nichts anmerken lassen wollen und tapfer einhermarschieren. Seit unsere Tochter Céline auch einen Hund hat, schaue ich nochmals anders auf diese besten Freunde des Menschen.

Schliesslich kehre ich in meine nun seit 3 Tagen besetzte Wohnung zurück und freue mich, dass es morgen weitergeht. Als Goodie entdecke ich dazu (zum ersten Mal!) auf Wetteronline ein Hochdruckgebiet, das sich ab Mitte nächster Woche über Skandinavien etablieren soll. Wäre doch was! Ich merke mir schon mal, wo ich die Sonnencrème verstaut habe…

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