Tag 17:  Time out in Aalborg

Ein guter Tag!

Nach einer sehr erholsamen Nacht chille ich bis um 10 Uhr im Bett und organisiere u.a. meine Etappen/Übernachtungsorte in Südnorwegen.

Dann mache mich dann auf Stadterkundung. Nach kaum 200 Metern entdecke ich einen Outdoor-Laden und kaufe mir lange Merino-Unterwäsche. Scheint mir angezeigt bei den Temperaturen, die Wetteronline zurzeit für Norwegen vorsieht.

Die Budolfi-Kirche (Aalborger Dom) von aussen… und von innen

Keine hundert Meter weiter betrete ich die Budolfi-Kirche, die gleichzeitig den Dom von Aalborg darstellt. Ich bin überwältigt von der ganz eigenen Ambiance, die in dieser Kirche herrscht. Wo andere Dome Grösse, Weite und Imposanz ausstrahlen, ist dieser Dom schon fast eng, familiär gehalten. Wunderschöne, farbige Wappenschnitzereien an den Bankenden, erneut eine Serie von Kronleuchtern zentral im Kirchenschiff, sowie vorne, im und vor dem Chor, eine Sitzgruppe, in der sich die Besucher quasi im Rund befinden. Auch hier das grosse Segelschiff, diesmal vor der Sakristei aufgehängt. Und dann, anstelle von Wandmalereien, zahrreiche aus Holz geschnitzte Epitaphe. Als dann noch ein Organist beginnt, auf seinem Instrument zu spielen, ist die Stimmung perfekt. Ich halte inne. 

Markant: die gedchnitzen, farbenfrohen Bank-Abschlüsse

Wenig später statte ich dem unweit gelegenen historischen Nordiyske Museer einen Besuch ab. Dieser dauert dann geschlagene 3 Stunden – ein besseres Kompliment kann ein Museum von mir kaum bekommen.

Die Hauptausstellung widmet sich der Frage des „Oprør i Nordjylland“, dem Thema des „Auf- oder Widerstandes in Nordjütland“. Es zeigt sich, dass in der Region Aalborg, früher ein von vielen armen Arbeitern und wenigen vermögenden Unternehmern bewohnter Ort, die Arbeiterschaft sich früh organisierte und sich bessere Arbeits- und Lohnbedingungen erkämpfte. Die Stadt kämpfte auch lange für ihre Universität, die dann 1974 endlich ihren politischen Zuschlag bekam. Ein Faktor für die damit einhergehede wirtschaftliche Entwicklung der Region. Widerstand zeigten viele Aalborger und Aalborgerinnen während des Nazi-Regimes. Vor allem der „Churchill-Club“, eine Ansammlung junger, oft kaum 20-jähriger Leute, bot den Nazis unerschrocken und mit viel Mut die Stirn. Aber auch die Bauernaufstände im 16. Jahrhundert sind erwähnt und zeigen ein keineswegs unterwürfiges, sondern vielmehr aufmüpfiges und freiheitsliebendes Volk.

Das Segelschiff über drm Eingang zur Sakristei. Die Inschrift am Heck: „Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein.“ (Lk 5, 8-10).

In weiteren Ausstellungen sind frühere Einrichtungen Aalborgs wie z.B. Vergnügungspark Karolinelund visuell gut präsentiert. Ein besonderer Abstecher gilt – natürlich ! – einer Schulstube aus den 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ich entdecke einen Stapel von Luther-Katechismen (die reformierte Konfession hat also auch ihre Altlasten!) und übersetze Teile davon mithilfe meines neu erstandenen KI-Translators ins Deutsche. Erbauend.

So sah Schule in Aalborg vor gut 75 Jahren aus.
Habe das dänische Lehrdiplom aufgrund sprachlicher Mängel verbockt.

Eine Aalborger Lehrerin, die für das Museum arbeitet, schaut rein und holt mir schnell zwei Schokoriegel, als sie erfährt, wohin meine Reise gehen soll.

Nach dem kulturell üppigen Input begebe ich mich ins nächste Radgeschäft, wo ich gute, gummierte Überzeher für meine Radschuhe kaufe. Somit ist mein Arsenal an Ausrüstungsgegenständen komplettiert – der Regen darf ruhig kommen (aber lieber doch nicht!).

Auf dem Heimweg halte ich die Augen offen für ein gutes Lokal fürs Abendessen und finde da mehrere gute Optionen. Mal schauen.

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