Tag 15:  Bryrup Camping **** – Aalborg

166 km / Anstieg: 940 m

Es war weder die Lerche noch die Nachtigall, sondern ganz eindeutig eine Amsel, die mich beim Aufwachen kurz vor halb fünf Uhr mit ihrem Gesang emfängt. Es ist taghell, ich habe nicht sehr lange, aber gut geschlafen.

Kleine Lagebesprechung frühmorgens vor der Abfahrt.

Die Wetteraussichten am Vorabend haben meinen Entscheid bekräftigt: Ich fahre heute nach Aalborg, wo ich eine supergünstige Wohnung für fünf Tage mieten kann. Ideal, denn von dort ist der Sprung nach Südnorwegen kurz und ich würde je nach Entwicklung des (immer noch lausigen) Wetterberichts von dort aus abreisen.

Auf dem Programm stehen 141 Kilometer – es werden dann deren 166. Grund: Mein Handy hat in der Region absolut keinen Empfang und so kann ich die Vorgaben des Garmin nicht überprüfen. Am Abend wird sich herausstellen, dass ich erneut einen Umweg von unnötigen 25 Kilometern gefahren bin. Hätte ich einfach den rosa Weg auf dem Garmin weiter befolgt, ich wäre wohl irgendwo in Kolding gelandet. Die dunklen Wolken verhindern zudem ein Navigieren nach Sonnenstand…

Wunderschöne Velowege im Wald prägen die ersten Kilometer.

So komme ich in den Genuss des höchsten Passes der Region, den ich – Garmin sei Dank! – sogar in beiden Richtungen befahren darf. So oder so ist das Terrain relativ coupiert, so dass ich ein paar Mal auf dem kleinsten Gang fahre. Daneben passiere ich ein Hinweisschild mit dem mysteriösen Titel „Heartful meditation“, dank Irrfahrt auch zwei Mal. Als ich die dort eintrudelnden Leute bei der Rückfahrt fragen möchte, in welcher Richtung Viborg läge, kann mir niemand Auskunft geben. Alles Leute nicht aus der Gegend, zwei Bodyguards als Einweisposten wie aus dem Film, die Gäste Expats vielleicht, die sich zu irgendeinem spirituellen (spiritistischen?) Anlass treffen. Wirkt wie in einem Polanski-Film…

Der dänische Bergpreis…

In Silkeborg macht dann der seit längerem grollende Donner Ernst. Im Nu schüttet es wie aus Kübeln. Gerade noch so kann ich mich in einen Carport am Strassenrand retten. Da kommt auch schon eine Dänin und offeriert mir einen Kaffee (herrlich!), während ihr Mann die Tochter einsammeln geht, die bei ihrem Jogging ebenfalls in das Gewitter geraten war. Beide, Mann und Frau, sind Veterinär(in), sie spezialisiert auf Kleintiere, er ist Chef der Veterinärstudien an der Uni Viborg.

Es schifft!

Bald bessert sich das Wetter und ich kann weiterfahren, und jetzt kriegt mein Handy auch wieder die Signale. Uff – ohne Karte und nichts ist man saumässig auf das Handy angewiesen! Nach 75 Kilometern dann eine erneute Panne. Ärgerlich! Die Schraube hinten links, welche den Gepäckträger am Rahmen fixiert, ist – wohl ebenfalls durch die permanenten Erschütterungen – rausgefallen. Das Rad streift so stark, dass ein Weiterfahren unmöglich ist. Erneut gelingt es mir, mittels Kabelbinder das ganze so zu stabilisieren, dass es bis nach Aalborg ohne Probleme weitergehen kann.

Die Familie Holst Krogh mit ihrer Tochter. Die Tasse Kaffee war Gold wert!

Immerhin gelingt es mir, die zweite, hinter mir drohende Gewitterfront dank flotten Tempos so in Schach zu halten, dass ich nur noch kurz ein paar Tropfen abbekomme.  Ich treffe um 14:45 Uhr in Aalborg ein. Der Hausherr (ein äusserst sympathischer Pakistani, der mit einer Dänin zusammen eine Tochter hat) weist mich ein. Die Wohnung ist genial gelegen und erlaubt mir, das Zelt nachtrocknen zu lassen und auch meinen ganzen Karsumpel so abzulegen, dass ich alles schnell finde. Ich nicke kurz auf dem Sofa ein – die frühe Tagwache und die überlange Fahrt fordern ihren Tribut.

Unterwegs

Nachdem ich den Tag durch nur Bananen und 2 Schokoriegel gegessen habe, suche ich mir heute früh genug eine gute Beiz für ein währschaftes Abendessen aus. 

Ich bin jetzt auf den Tag genau 2 Wochen unterwegs. Dass ich bereits morgen nach Larvik übersetzen könnte, übertrifft meine optimistischsten Erwartungen. 

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