Tag 14:  Kolding – Bryrup Camping ****

73 km / Anstieg: 647 m 

Ich verlasse Kolding zwar erst nach 9 Uhr, dennoch wirkt die Stadt nahezu verlassen, die Leute schlafen wohl noch. Die Strecke ist etwas coupierter als die vorangehenden (4 namentlich erwähnte „Steigungen“ zwischen 19 und 45 Metern Höhendifferenz), dennoch komme ich gut voran, vorbei an Solar-Plantagen und saftigen Wiesen und Feldern.

Nach einer guten Stunde komme ich nach Vejle, das administrative Zentrum von Süddänemark. Ich besuche die älteste Kirche Vejles, die Nicolai-Kirche. Der vom Künstler Anders Kierkegaard (offenbar kein Abkomme des bekannten Philosophen Sören) geschaffene Altar ist ein farblicher Blickfang erster Güte. Er thematisiert das Thema Tod und Auferstehung. Er ist aufklappbar und päsentiert im offenen Zustand eine völlig andere visuelle Umsetzung der Thematik als im geschlossenen Zustand.

Die Nicolai-Kirche in Vejle mit dem eindrücklichen, farbenfrohen Altar von Anders Kierkegaard.

Gleich vis-à-vis des Rathauses lasse ich mich in einem Strassencafé nieder und geniesse einen feinen Kaffee. Der Beizer erklärt mir, dass das Rathaus auch Ort von Trauungen sei und dass manchmal über 10 Paare sich am selben Tag trauen lassen, wodurch die Warteschlange bis in sein Café reichen würde. Se non è vero, … Neben mir sitzt eine Gruppe ausgemachter Hägars, will sagen: gut gebaute bzw. übergewichtige Männer in einem gewissen Alter, langbärtig und selbstbewusst – aber offenbar harmlos.

Ich ziehe weiter und sage mir wiederholt, dass das Veloradnetz der Schweiz dem dänischen massiv unterlegen ist. Gottseidank haben wir noch das Eishockey… Bald komme ich an einem improvisierten Erdbeeren- und Tomaten-Stand vorbei. Ich kaufe mir eine Schale für 40 DK (5 Franken) und mache nicht lange Federlesens – nach 5 Minuten gebe ich der Bäuerin das Körbchen leer zurück und fahre weiter.

Erdbeeren wie aus dem Thurgau: süss und schnell verzehrt…

Nach insgesamt gut dreieinviertel Stunden Fahrzeit komme ich auf dem Zeltplatz an und staune erneut: Die Leute promenieren sich wie wenn es Hochsommer wäre (es hat knapp 20 Grad), und baden in Massen im (wohl beheizten) Pool. Ich werde von einem Mitarbeiter empfangen der fliessend Dänisch (logisch!), Englisch, Französisch und Deutsch redet. Er instruiert mich schliesslich in perfektem Deutsch und weist mir einen Schoggi-Platz gleich hinter dem Eingang zu. So habe ich die gesamte Infrastruktur gleich vor der Haus-, pardon Zelttür. Zudem verkauft er mir einen Adapter, mit welchem ich den Strom in der Buchse meines Standplatzes anzapfen kann.

Ohne Adapter kein Strom – aus Sicherheitsgründen!

Bis der Huber sein Hubba Hubba aufgebaut hat, geht es eine Weile – kommt davon, wenn man ein Jahr lang nicht mehr geübt hat. Hoffentlich hat niemand zugeschaut, das wäre eine Nummer für eine Serie mit dem Namen „Deppen unter sich“.

Es ist vollbracht: Das Zelt steht.
Unerlässlich: Der Camping-Stuhl.😅

Ich nehme eine Dusche gleich nebenan, versorge meine Utensilien so, dass ich morgen die Sachen einigermassen logisch geordnet vorfinde und gönne mir im Café beim Eingang einen Kaffee mit exzellentem italienischen Eis (Stracciatella und Krokant). 

Das ganze Zeltgebiet ist perfekt mit WLAN abgedeckt, sodass ich mein Werkeln für den Blog sogleich angehen kann. Für heute Abend scheint das Programm klar zu sein: Gleich um die Ecke gibt’s eine Pizzeria und im Camping gibt es einen TV-Raum (hoffentlich mit Champions-League-Final). Meine Stimmung ist wie das Wetter – es hat aufgehellt.

Bilan du jour.

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