Tag 13:  Flensburg – Kolding / DK

88 km / Anstieg: 390 m

Au départ

Ich komme recht früh aus Flensburg weg (etwas nach 8 Uhr) und fahre im U um das Hafenbecken Richtung Stadtausgang. Das Plakat des berühmten Handball-Clubs der SG Flensburg-Handewitt sticht mir ins Auge. Ja klar, in Sachen Handball sind die Norlichter eine echte Nummer!

Alsbald geht es mit richtigem Karacho nordwärts – der Seiten-Rückenwind hilft dabei – und schwups bin ich bereits jenseits der Landesgrenze, in Dänemark. 

Ich rausche über die Grenze von Deutschland nach Dänemark.

Ein erster Rhythmuswechsel erfolgt in Hoptrup, wo der Radweg von der Hauptstrasse abzweigt. Eine wunderschöne Kirche in leicht erhöhter Lage, umgeben von einem noch schöneren Friedhof, der seinerseits umzäunt ist von einer Mauer aus mittelgrossen Findlingen (jaja, die Gletscher kamen bis hierher), lässt mich absteigen. Leider ist eine Kirchenbsichtigung nicht möglich: Es findet gerade eine Abdankungsfeier statt.

Kirche und Friedhof in Hoptrup.

Auf der Höhe von Haderslev (Km 58) beginnt es zu regnen. Wenig später, kurz vor Christiansfeld, in der Lokalität Seggelund, biege ich ab und genehmige mir in der dortigen Reststätte eine Cola und ein Stück Keks. Ich muss laut lachen, als ich das dortige WC besuche: Über den Pissoirs prangen grosse Fotos von vier Damen, jüngere und ältere, die mit Fotoapparat, Lupe, Messband und Hornbrille die besten Stücke der sich dort erleichternden Männer zu betrachten scheinen. Ihre Reaktionen sprechen Bände: Überraschung, Anerkennung, Skepsis, Amüsement. Soll mir einer sagen, die Dänen hätten keinen Humor.

Kaum zurück im Restaurant, sehe ich einen weiteren Bikepacker ankommen – vom Regen ebenso wenig angetan wie ich. Es handelt sich um Wolfgang aus Karlsruhe. Er ist auf dem Weg nach Trondheim, allerdings wählt er die Küstenroute (Hirtshals-Kristiansand-Stavanger-Bergen). Wolfgang ist Projektleiter im kommunalen Wohnbau und ehemaliger Ultra-Spezialist (als er den Namen „Ötztaler Radmarathon“ ausspricht, erschauere ich). Seine Tagesetappen sind markant länger als die meinen (bis über 200 Km) – ich staune.

Wolfgang, Projektleiter im Wohnungsbau in Karlsruhe – er fährt nicht nur jeden Tag weiter als ich, er transportiert auch noch mehr Material!

Sehr schnell verstehen wir uns bestens und radeln die verbleibenden 20 Kilometer nach Kolding gemeinsam – im stärker werdenden Regen, aber in unvermindertem Tempo. Dort trennen sich unsere Wege – Wolfgang radelt noch „schnell“ 90 Kilometer weiter Richtung Norden…

Mit Wolfgang im Eilzugstempo Richtung Kolding.

Ich checke im Hotel ein. In Kolding ist ein Innenstadt-Fest im Gange. Der Sprühregen scheint den Leuten nichts auszumachen, sie amüsieren sich bestens. Ich besteige einen Kletterfels erfolgreich (als erster von vielen Kandidaten – gibt Spontanapplaus), sehe mir die Nicolai-Kirche an (die älteste der Koldinger Kirchen) und suche das französische Restaurant Den Blaa, wo Rose-Marie und ich vor einem knappen Jahr so feinen Fisch gegessen hatten und u.a eine Flasche „La Galope“ (NICHT „La Salope“, wie man die alte Zierschriftauch lesen könnte) getrunken hatten.

Die Nicolai-Kirche. Der Orgelprospekt hat etwas Unreales und wirkt wie ein Trompe l‘oeil (ist es aber nicht!).

Zurück im Hotel beschliesse ich, morgen nur eine kurze Etappe zu fahren (bis zum Zeltplatz Bryrup), um dort in meinem Zelt etwas Zeit rumgehen zu lassen. Das Wetter in den nächsten Tagen sieht übel aus, zudem bin ich in den ersten 10-11 Etappen viel zu schnell vorangekommen. Macht ja keinen Sinn, Mitsommer schon fast auf den Lofoten zu verbringen…

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