108 km / Anstieg: 513 m
Als ich aufwache, staune ich, wie hell es schon ist. Ein Blick in die entsprechende Internetseite zeigt, dass die Tage hier in Schleswig-Holstein um diese Jahreszeit eine Stunde länger dauern als in Basel. Der Sonnenaufgang ist hier bereits um 04:58 Uhr, ganze 40 Minuten früher als zu Hause. Ich nutze die Zeit und eruiere zuerst das (klitzekleine) Loch am Schlauch, der gestern vor Hamburg kaputtging. Eine Dorne, wahrscheinlich. Ich repariere das Ding und versorge es in einer der Sacochen, für den Fall einer erneuten Panne.
Der erste Teil der Fahrt nach Flensburg verläuft in schönen Wäldern und über saftiges Wiesland. Bald aber komme ich auf Radwege, die entlang von Bundesstrassen verlaufen: Sie haben den Vorteil, dass sie einen schnell voranbringen. Nachteil: Es gibt schönere Ecken… Und ja, der Gegenwind wird langsam zu meinem treusten Begleiter.
Nach knapp 40 Kilometern gelange ich nach Rendsburg und dort an den Nord-Ostsee-Kanal. Zusammen mit einer Gruppe pensionierter Radfahrer (also Leute wie ich) warten wir auf den Lift. Dieser bringt uns auf 22 Meter Tiefe, wo wir den Kanal unterqueren. Auf der anderen Seite geht es dann mit dem Lift wieder ans Tageslicht. Eindrücklich!
Die Fahrt geht weiter, bis ich nach knapp 70 Kilometern nach Schleswig gelange. Ich gönne mir einen Abstecher in die Innenstadt. Dem Ufer entlang auf der Schleistrasse, vorbei an der Schleswigerin, einer Skulptur des Künstlers Carl Constantin Weber, gelange ich in die Altstadt. Dort drehe ich eine Runde um den Kälberteich und staune, wie menschenleer sich die Altstadt präsentiert. Liegt es daran, dass heute Auffahrt ist? Immerhin erbarmt sich eine Café-Besitzerin des Oldies aus der Schweiz und serviert mir auf der Terrasse einen ausgezeichneten Apfelstrudel samt Capuccino.

Danach begebe ich mich auf die letzten gut 35 Kilometer, die dank leicht drehenden Windes zum Vergnügen werden. Ich rase am Poppostein vorbei – und denke subito an die Kindersprache meiner Enkel. Nun, das Monument hat nichts mit dem Po(po) zu tun, sondern ist ein Hünengrab aus der Jungsteinzeit. Auch sonst überraschen mich des öftern Flurnamen, deren Ursprung mir rätselhaft erscheint.
Um knapp 14 Uhr bin ich in der Jugi Flensburg. Zum ersten Mal gönne ich mir eine kleine Siesta (sauguet!), aber erst, nachem wir via Whatsapp einen kleinen Videochat en famille abgehalten haben. Gute Momente, seine Familie zu sehen, wenn man so weit weg von zu Hause ist.
Gegen 17 Uhr mache ich mich auf den 2.5 Kilometer langen Fussweg Richtung Stadt – ein Abendessen schüfe meinem aufkeimenden Hunger Abhilfe. Ich komme nicht weit: In einer Dönerbude verzehre ich eine Currywurst mit Frites und trinke eine Büchse Cola. Danach sehe ich gleich nebenan per Zufall ein neu eröffnetes Café und genehmige mir dort ein Stück Trümmertorte – délicieux! Danach geht’s zurück in die Jugi. Ich plane, das für die Region als trocken prognostizierte Wetter auszunützen und die knapp 90 Km in die dänische Stadt Kolding am Freitag zurückzulegen. Ich freue mich auf das neue Land mit seinen feinen Einwohnern, denn, wie Otto schon sagte, „Dänen lügen nicht“!
Hinterlasse einen Kommentar